Zecken – Tipps und Tricks gegen den achtbeinigen Terror

Da haben wir euch freudestrahlend von unserem Osterspaziergang berichtet und nur wenige Stunden später – pupp die erste Zecke an Askans Beinchen 🙁 . Der erträgt das Entfernen wirklich tapfer und heldengleich – aber wie cool wäre es eigentlich, wenn man die Dinger gar nicht erst entfernen müsste, weil sie sich überhaupt gar nicht erst am eigenen Caniden festsaugen? Richtig – voll gut wäre das – aber wie bloß?

Über die letzten beiden Sommer haben wir diverse Selbstversuche gemacht – mit welchem Ergebnis erfahrt ihr heut:

Warum sind Zecken eigentlich nicht nur mega eklig, sondern auch gefährlich?

Dass der Teufel auf acht Beinen einen Haufen Keime überträgt, ist ja allgemein nichts Neues. Neben Borreliose und Anaplasmose habe ich aber tatsächlich die meiste Angst vor der Hundemalaria (Babesiose).  Übertragen wird die von der Auwaldzecke. Ein Achtbeiner, der durch seine Marmorierung und Gefährlichkeit glänzt. Der Husky eines Bekannten starb jämmerlich an einem solchen Zeckenstich. Leider war die Hündin nicht mehr zu retten als die Ursache endlich klar war – naheliegend, dass man da als Hundemama bei solchen Geschichten eine Paranoia entwickelt. Aber auch FSME – eigentlich eher die Schur für das beteiligte Herrchen oder Frauchen – kann Hunde betreffen.

Zudem ist die Vorstellung von Zecken auf Couch und Bett auch nicht sooo sonderlich berauschend, weshalb ich mich ja im Kampf gegen diese Plagegeister, welche im Übrigen ab Temperaturen von 7 Grad aufwärts aktiv werden, bis an die Zähne aufmonitioniert habe. Getreu dem Motto „Kenne deinen Feind“ haben wir uns ein wenig belesen. Von hunderten Zeckenarten sind vor allem der gemeine Holzbock, die Auwaldzecke und die braune Hundezecke relevant – die ersten beiden mögen es übrigens feucht warm, weshalb wir Wiesen und Co in der Früh meiden. Auch in der Nähe von Flüssen ist die Auwaldzecke anzutreffen. Der braunen Hundezecke hingegen wird man kaum mehr Herr, wenn sie einmal ins Haus gelangt ist. Hier vermehrt sie sich nämlich – vorzugsweise im Hundekörbchen – explosionsartig. Ganz ausführlich könnt ihr in der aktuellen Ausgabe der Wuff über Zecken, deren übertragene Vektorkrankheiten und Co lesen. Wahrscheinlich wäre es am sichersten in den Monaten der zeckischen Hochkonjunktur nicht in Wald oder hohen Wiesen unterwegs zu sein.

 

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Aufmonitioniert – so so und wie??

Die Chemiekeule

Ja klar spricht man das Thema Verhütung in Zusammenhang mit Zecken beim Tierarzt an, wird direkt Advantix® oder Scalibor® aus dem Hut gezaubert. Da ich mal gelesen habe, dass bei manchen Hunden – insbesondere bei Collies – ein Gendefekt (MDR1-Defekt, übrigens auch bei Wurmkuren zu beachten) dafür sorgt, dass die Hunde einen massiven Schaden von diesen Mittel davon tragen oder sogar sterben können und bei meinem Senfhund absolut unklar ist, welche Rassen mitgemischt haben, fiel das für mich direkt aus. Voll Öko quasi. Wem diese Befürchtung aber nicht die Hefe gibt, dem sei Scalibor® empfohlen. Das gelangt im Gegensatz zu anderen Mitteln nicht in die Blutbahn und lagert sich nur auf dem Fell an. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass Hunde, die viel schwimmen oder gebadet werden müssen, hier natürlich hinsichtlich der Haltbarkeit des Mittels mehr Aufmerksamkeit bedürfen. Doch nicht nur deshalb sollte man zeckenpräperierte Hundetiere nicht in Gewässer lassen, denn die Wirkstoffe wirken nicht nur auf die Zecken, sondern auch für die Wasserbewohner äußerst toxisch. Chemiekeulen verhindern im Allgemeinen eher nicht, dass sich Zecken überhaupt erst am Hundetier anhaften, sondern töten diese beim Biss ab. Da die Kriebel (wie wir im Vogtland sagen) Bakterien nicht sofort mit dem Biss – oder viel mehr mit dem Stich wie es bei Zecken heißt – übertragen, sondern erst mit längerer Saug- und Verweildauer, ist zumindest einigen Krankheiten (Babesiose, Borelliose, Anaplasmose) etwas vorgebeugt. FSME, Leishmaniose und Dirofilariose können hingegen sofort mit Biss übertragen werden.  Die Krankheitsübertragung wiederum beruht unter anderem auf dem Umstand, dass Zecken das Blut während des Saugens verdünnen und nicht-benötigte Bestandteile wieder in den Wirt zurückpumpen. Von Seife, Nagellackentferner und Co vorm Herausziehen der Zecke sollte auch deshalb dringend abgesehen werden. Hiervon erbricht sich die Zecke im Todeskampf in die Wunde  – wenig wunderbär.

Was mir ja wirklich zu bedenken gibt, ist der Fakt, dass Zecken wirklich sehr widerstandsfähig sind. Wie viel Gift packen wir also auf unsere Vierbeiner, um Zecken über mehrere Wochen auf Trab zu halten?

Ein kleiner Nachtrag zur Chemiekeule, ob der vielen vielen Rückmeldungen 🙂

Im Kontakt mit anderen Hundewütigen wurde ich eines besseren belehrt, so könnten Zecken je nach Wirkstoff auch vor dem Stick abgewehrt werden. Beispielsweise hätten die Mittel Permethrin, Deltamethrin oder Flumethrin. Da ich ja selbst kein Tierarzt bin und wir uns beständig in der Lernphase befinden, freuen wir uns immer unheimlich über solchen Input. Also ihr Lieben weiter so und immer her mit euren Insider-Infos 🙂

Kokosöl

Viele schwärmen ja vom weißen Zaubermittel.  Es wird in Creme gepackt und soll nun auch gegen Zecken echt dufte sein. Dafür kann man es einmal auf den Hund packen – sprich ihn damit vorm Gassi gehen einschmieren – oder man packt es in den Hund. Askan sah ja nach dem ersten Einschmieren aus als käme er direkt von der italienischen Mafia. Zudem hatten wir es nicht vor jedem spontanen Spaziergang dabei und es muss ja auch erst noch verflüssigt werden, da Kokosöl bei Raumtemperatur eine feste Konsistenz hat. Deshalb haben wir uns entschieden, ihm das ins Futter zu geben, was der Bub regelmäßig mit einem zufriedenen Wegschlabbern selbigem honoriert.

Schwarzkümmelöl

Googelt man „Zecke und Hund“ kommt man recht schnell auf den Bericht über „Jugend forscht“. Hier hat ein Schüler aus der Oberpfalz – namentlich Alexander Betz – herausgefunden, dass Zecken mittels Schwarzkümmelöl abgewehrt werden können. Ursache sei wohl der recht intensive Geruch des Öls. Leider findet man im Netz keine wirklichen Angaben zur Dosierung des scheinbaren Hexenwerkes. Wir probieren es diesen Sommer trotzdem aus, weshalb Askan regelmäßig einige Tropfen des Gebräus in seinem Futter wieder findet. Wichtig hierbei ist das Augenmerk auf reinem und kaltgepresstem Schwarzkümmelöl.

Bernsteinhalsband

Auch die Bernsteinhalsbänder sollen in Sachen Zecken ja Wunder wirken. Läuft man an der Ostsee entlang und schaut in die Schaufenster könnte man meinen, allein vom Tragen der Bänder wird ewige Jugend und Unsterblichkeit verliehen – zumindest wenn man nach den Preisen geht. Da hätte ein Halsband für meinen – ja wirklich recht kleinen – Puschelfuß über 70 Euro gekostet. Sorry da war ich dann wirklich zu schottisch, aber eine Freundin von mir probierte es mit ihrem Buben aus. Und siehe da: Es tat sich nichts. Wirken sollen die Halsbänder, weil ätherische Öle vom Bernstein an das Hundefell abgegeben werden. Zudem lädt sich der Hund durch die Reibung am Halsband wohl statisch auf. Alles, was Zecken wohl eher weniger mögen. Hunde, die viel im Schlamm toben (beschriebener Versuchshund gehörte in diese Kategorie) seien für Bernstein eher ungeeignet. Toben sie viel besteht zudem die Gefahr, dass die Ketten reißen und die Steine verloren geht. Aber bei Hunden die wirklich viel in der Wohnung sind und das Schmuckstück rund um die Uhr tragen, kann es eine Alternative sein. So bspw. für den Yorki meiner Nachbarin.

EM Halsbänder

Jaaaa auch die sollen zaubern, wenn auch noch nicht so bekannt. Brüder sind beide Halsbandformen wohl im Geiste, denn auch bei EM Halsbändern sollen die Perlen etwas abgeben, das sich wie eine Art Film aufs zu schützende Hundefell legt. Deshalb sollte das Hundetier das beperlte Halsband möglichst lang am Tag tragen, um eine Art Spiegel aufzubauen. Alle zwei Wochen müssen die Perlen dann etwas angefeuchtet in die Sonne gelegt werden, damit sich die Mikroorganismen erholen und regenerieren können. Auch diese Halsbänder kosten zum Teil ein kleines Vermögen, sodass wir eines mithilfe von Paracord und Schließen selbst gebastelt haben. Also viel mehr ich als Askan – wie das Ganze aber funktioniert, erfahrt ihr in der bald folgenden Fotostrecke :-).

 

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Spray aus Duft-Ölen

Okay auch das haben wir probiert und verschiedene Öle in unterschiedlicher Mischung zusammen gebraut – Hundetier eingesprüht und ab aufs Feld. Freie Fahrt für freie Hunde quasi. Na ja Askan fand das Eingesprühe nicht so wirklich knorke. Ist ja auch fies für die kleine sensible Hundenase. Eine wirkliche Verbesserung haben wir jetzt aber auch nicht direkt ausmachen können.

CD Vet Abwehrkonzentrat®

Das haben wir wiederum auch nicht selbst ausprobiert, aber wir kennen wen, der wen kennt, der im Radio gehört hat, dass im Fernsehen ein Bericht kam, wie das wirkt. Spaß bei Seite – die Mama von Askans Pfotenkumpels schwört da Stein und Bein drauf. Das Konzentrat wird hinter das Hundeohr aufgetragen und soll dann durch Duft und Produktzusammensetzung den Burggraben für Zecken bilden. Wie wir finden ist auch das dieses Jahr mal ein Versuch wert.

Ph-Wert des Hundes

Barf- und heilpraktisch Versierte thematisieren häufiger den Ph-Wert des Hundes in Zusammenhang mit Zecken. Sei dieser verschoben, das Milieu des Hundes also zu sauer, würden sich mehr der Achtbeiner anhaften. Testen kann man das Ganze beim Menschen über Urintests. Ich lehne mich aus dem Fenster und vermute, dass solche Tests für Hunde analog beim Tierheilpraktiker oder Tierarzt durchgeführt werden können. Möchte man das Milieu des Hundes wieder normalisieren, können vermehrt basische Lebensmittel (Salate, Gurke und Co) püriert zum Futter hinzugegeben werden. Zuvor sollte aber der Futterplan mit entsprechenden Fachleutz besprochen werden.

Tja und die Moral von der Geschicht?

Bürsten, bürsten, bürsten und die Anschaffung eines hellen Hundes helfen meines Erachtens am besten, um die Völkerwanderung der Zecken über den eigenen Hund und durch das Wohnzimmer zu vermeiden. Zecken sind übrigens unwahrscheinliche Überlebenskünstler – sie überstehen Temperaturen bis minus 20 Grad. Deshalb werden entfernte Zecken bei uns standrechtlich verbrannt. Die Folter der kleinen Achtbeiner nimmt dabei aber auch echte Ausmaße an, wenn man sich so beim Gassi gehen umhört. Die Biester werden mit Steinen zermalmt,  in Wasserstoffperoxid getaucht, im Klo versenkt und was nicht alles – stets als Symbol des maximalen Widerwillens gegen diese kleinen Wesen. Rein evolutionstechnisch müssen Zecken ja auch irgendeinen Sinn oder eine Aufgabe haben. Analog zur Existenz von Mücken erschloss sich mir dieser allerdings noch nicht vollumfänglich. Bis dahin und bis es ein gesundes Allheilmittel gegen den Teufel auf acht Beinen gibt, fahren wir eine Mischung aus verschiedenen genannten Methoden.

Bislang halten sich die Zecken ja noch in Grenzen, aber wir harren der Dinge. Was wir beim Zusammentragen des regelmäßig – nämlich im März und Oktober – in aller Munde seienden Themas festgestellt haben, ist auch dessen unheimliche Marktpräsenz. Mein lieber Schwan – was da für Geld gemacht und investiert wird, um das Pulver trocken bzw. den Hunde zeckenfrei zu halten. Man kann die Liste der Möglichkeiten also noch um gefühlte Tausende verlängern und da kommt man dann auch in Bereiche, wo Steine (bspw. Rhodonit) ins Trinkwasser des Hundes gelegt werden. Auch die Frage, ob die Zecke herausgedreht (komisch, wo sie doch gar kein Gewinde hat) oder grade herausgezogen werden soll, spaltet die Hundehalterschaft. Karte oder Zange wäre dann direkt die nächste Frage. Ein (ziemlich) weites Feld – um es mit Effi Briests Worten zu sagen.

Welche Mittel, Methoden und Tricks habt ihr in diesem wortwörtlichen Kleinkrieg?

 

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2 thoughts on “Zecken – Tipps und Tricks gegen den achtbeinigen Terror

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