„Wenn dein Askan jetzt einfach umfällt, wüsst ich vor lauter Schreck gar nicht was ich machen soll: Schwanz hochlegen, Pfoten hochlegen oder beatmen.“ – Wie funktioniert eigentlich so eine erste Hilfe?

Schockschwerenot am 18.03.2016 wars soweit: unser erstes eigenes Seminar zum Thema „Erste Hilfe beim Hund“, welches ich mir besoffenen Kopfes eingehandelt und während der letzten Wochen der Vorbereitung schwerlich bereut hatte.

Ein paar Worte vorab:

Auf einer Feier Ende Januar sagte ich – die Zunge vom Wodka natürlich nur minimalst gelöst – wie traurig es eigentlich ist, dass so viele Hundehalter nicht wissen, wie sie ihrem vierbeinigem Freund im Fall der Fälle helfen können. Hinzu fügte ich, dass ein Erster-Hilfe-Kurs für Hundehalter eigentlich genauso Pflicht statt Kür sein sollte wie für den Erwerb des Führerscheins. Bei einer lieben Freundin, ihres Zeichens Hundetrainerin in einem Verein im Nachbarort, traf ich damit einen Nerv – quasi voll ins Schwarze und zack war die Messe gelesen. Wir vereinbarten just in diesem Moment einen Termin, an welchem ich mich feierlich vor einem Rudel interessierter Hundehalter zur nichts-wissenden Nuss machen sollte. Zu dem Zeitpunkt war nur marginal unklar, wie wir zeigen sollten, dass wir voll was auf der Kirsche haben und super einfach Verstand und Verständnis der Teilnehmer wecken können.

„Ach du schande, das sind ja nur noch zwei Wochen.“

Als ich am nächsten Morgen 17:10 Uhr erwachte, war ich schon noch dezent versprudelt, erinnerte ich mich an unser Arrangement nur in schleiferhaften Zügen und als der nächste Montag kam, war ich wieder voll in meinem Alltag. Arbeiten, Bube versorgen, trainieren, Literatur für den Trainerschein ausarbeiten und irgendwie geriet es immer mehr in die tiefe Versenkung der Vergessenheit. Und schwups waren es nur noch zwei Wochen. Letztlich ist es bei mir nun leider so, dass sich meine Motivation ihren Kuschelteddy greift und daumenlutschend ins Bett marschiert, sobald es viel zu tun gibt. Wo wir aber in dieser Situation ja eh schon denken mussten, dann konnten wir auch gleich positiv denken.

Also klöppelte ich sämtliche Literatur durch, die ich zu dem Thema „Erste Hilfe beim Hund“ finden konnte. Ich markierte streberhaft Auszüge mit meinem Leuchtstift, schrieb Infos heraus, fertigte ein Skript, ein Handout für die Teilnehmer und wurde von Tag zu Tag panischer. Da ich zuvor wenigstens selbst schon einmal an einem solchen Seminar teilgenommen hatte, wusste ich zumindest wie die Handgriffe des Pulsmessens und Schleimhäutebegutachtens funktionieren. Das souveräne Sprechen vor Leuten war mir deshalb aber trotzdem noch nicht wirklich gegeben – das stümperhafte dümmliche Rumgestotter hingegen schon. Sprich ich bin eher nicht der Typ, der vom Balkon aus Reden für den Pöbel darbietet. Na ja wenigstens war ich richtig gehend pünktlich einen Tag vor „Abgabe“ fertig mit meinen Vorbereitungen.

Doch wie liefs jetzt eigentlich?

Am Freitag bereitete ich noch leicht gestresst kleine Dankeschön-Naschigkeiten fürs „Medical Training“ in Form von knusperfrischen Leberwursttalern vor. Wir haben praktisch direkt mal aufgewurzelt wie ihr hier seht:

12527868_1665191633742953_2020955794_n

12834758_1665191617076288_1769333244_n

 

Manche machen Fehler – Könner produzieren Katastrophen – und genau das habe ich auf dem Weg zum Vereinsheim auch befürchtet. Grad angekommen, war der Vereinsvorstand aber schon fröhlich am umherwuseln, sodass Beamer und Co bereits startklar waren. Wir wurden einfach so maximal beruhigend begrüßt. „Keine Angst“ hieß es von allen Seiten. Nach und nach füllte sich der Raum und mir ging der Arsch nur mäßig auf Grundeis. Am meisten aber ging mir die Düse wegen Askan. Der hört im Allgemeinen zwar, aber ich hatte schon echt Bammel, dass er bei all den Leuten Lampenfieber bekommt und irgendwie verhaltenskreativ wird.

Pünktlich um Sechs ging es los und Folie für Folie, Notfall um Notfall arbeiteten wir uns unter anderem durch Pulswerte und Atemfrequenzen. Askan lag brav auf seiner Decke und machte beim Medical Training einwandfrei mit. Wunderherrlich stand er mir beim Pulsmessen, Zähnezeigen und Schleimhäutebegutachten zur Seite.

 

12527720_1665191600409623_292098154_n

 

 

Wirklich tapfer, aber die Vorstellung der Schnauze-zu-Schnauze-Beatmung sorgte bei den anwesenden Zweibeinern doch für eher gemischte Gefühle. Unsere Powerpoint stellen wir euch natürlich – nur ganz nebei erwähnt – gerne hier (Erste Hilfe Beim Hund) zur Verfügung. Anbei sei bemerkt: Zwar haben wir alles wirklich gewissenhaft recherchiert, aber dennoch können wir leider keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Gewähr erheben. Es soll natürlich nur eine kleine Hilfe sein und ersetzt weder den Besuch beim Tierarzt noch den Besuch eines Erste-Hilfe-Seminars.

Für die meisten Lacher hat – jetzt kommen wir langsam zum Schluss – die Frage eines Teilnehmers beim Thema epileptische Anfälle gesorgt. Hier habe ich nämlich – Asche auf mein Haupt – den Besuch des Tierarztes nicht namentlich aufgelistet. Daraufhin entstand die Frage, ob regelmäßiges Wenden des Hundes auf die Dauer denn nicht auch reichen würde. Dem lieben Teilnehmer habe ich den „Tierarztbesuch“ selbstverständlich eigenhändig auf seinem Handout nachgetragen :-).

 

12884622_1665191610409622_418490538_n

 

Und die Moral von der Geschicht?

Ursprünglich ging es uns ja darum, Hundeeltern einen kleinen Leidfaden an die Hand zu geben, Ängste und Unsicherheiten abzubauen und die „zweite Hilfe“ durch den Tierarzt vorzubereiten. Zu wissen wie man Notfälle erkennt, welche Utensilien man zuhause haben sollte und Omas Gemeintipps wollten wir vermitteln. Besonders wichtig war uns dabei die Vorsorge – sprich Medical Training, Information über naheliegende Tierärzte und was diese leisten sowie die Vermeidung von Unfällen (beispielsweise durch Wissen über giftige Substanzen). Sowohl der gefühlte-Ewigkeiten-dauernde und uns maximal bauchpinselte Beifall am Ende als auch die tollen Fragen und Rückmeldungen der Teilnehmer im Anschluss waren für uns das Signal, das wir erreicht hatten, was wir uns gewünscht hatten.

Wir haben wirklich Blut geleckt und suchen schon nach dem nächsten Thema – nicht nur für Teilnehmer oder euch , sondern auch für uns. Denn wir nehmen aus der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung des Seminars auch unheimlich viel für uns mit. Also ums zusammenzufassen: „Some Dogs will test you. Some will teach you, and some will bring out the best of you.

Und nun wäre es für uns natürlich massiv spannend zu wissen, was ihr euch von einem solchen Seminar wünschen würde :-).

 

 

Blog logo2

2 thoughts on “„Wenn dein Askan jetzt einfach umfällt, wüsst ich vor lauter Schreck gar nicht was ich machen soll: Schwanz hochlegen, Pfoten hochlegen oder beatmen.“ – Wie funktioniert eigentlich so eine erste Hilfe?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.