Warum „Schwein gehabt“ nicht automatisch Glück bedeutet – Der Aujeszky-Virus

Mit der Zeit beginnt man als Hundehalter ja irgendwie, die Dinge lockerer zu sehen. Auf einmal darf der Schnuz auch im Wald freilaufen oder man geht bei Dämmerung spazieren, während man sich mehr Sorgen über menschliche Angreifer macht als über die tierischen Gefahren. Nun kam es bei uns im Nachbarort zu einem Vorfall, bei dem sich ein Hund während der Jagd bei einem Schwein mit dem Aujeszky-Virus infizierte und euthanasiert werden musste. Was das mit uns zu tun hat und was das Virus überhaupt bedeutet, wollen wir euch heute erzählen.

Erstmal gilt es ja zu erwähnen, dass aktuell ziemlich viele Schwarzkitel unterwegs sind. Die Jäger stöhnen schon, ob der Überhand, die das Schwarzwild mittlerweile nimmt. Damit steigen natürlich auch die Chancen, dass man einmal einem Schwein begegnen könnte. Das Aujeszky-Virus – so unaussprechlich es auch anmutet – packt man ja eher zu Zuchtschweinen, weshalb Schweineohren sowie Schweinefleisch im Hundenapf nichts verloren haben, denn der Virus bleibt auch noch im toten Schwein aktiv. Die Wildschweine vergisst man hierbei aber leider leicht mal. Anstecken kann sich Hund, wenn er sich im Schwein verbeißt oder aber Schwein frisst (da die Jäger ihre „Beute“ häufig auch einmal im Wald ausnehmen und die Innerein liegen lassen, ist das gar nicht so super abwegig). Schweine überleben die Infektion oft. Bei Menschen spielt die Krankheit keinen nennenswerte Rolle, sodass in Mastbetrieben auch eher stichprobenartig kontrolliert wird. Wie jedes Herpesvirus kann das Aujesky-Virus auch im Körper des Schweines schlafen und reaktiviert werden, beispielsweise bei Stress durch Tiertransporte oder Ähnlichem.

Bei Hund und Katz sieht das Ganze leider deutlich anders aus. Circa zwei Tage nach der Aufnahme bricht das Virus aus, wobei die ersten Symptome denen der Tollwut ähneln. Deshalb spricht man in Zusammenhang mit diesem Herpesvirus häufig auch von der Pseudowut. Ausgelöst werden die Symptome von der entstehenden Gehirn- und Rückenmarksentzündung. Sind die ersten Symptome wie aggressives, unruhiges oder sehr schlappes Verhalten noch unspezifisch, sollte man spätestens bei einsetzendem Juckreiz und Erbrechen, Durchfall oder vermehrtem Speicheln auch an diese Erkrankung denken.

Leider gibt es dagegen weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel, sodass alle Kraft in die Prävention investiert werden sollte. Der Behandlungsversuch ist dem Tierarzt sogar untersagt, da es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche handelt. Noch ein Grund mehr stärker auf die Vorbeugung zu achten und wachsam zu sein. Hunde sind ähnlich wie Katzen Endwirte dieses Virus, sodass sie es nicht weiter übertragen. Weder Fälle der Ansteckung von Hund zu Hund noch von Hund zu Mensch  sind bekannt. Deutschland gilt eigentlich als virusfrei, wobei mit Ansteigen des Wildbestandes auch vermehrt von Fällen der Erkrankung berichtet wird.

Bei uns war das Auslöser für die Anschaffung einer Flexi-Leine. Klar, ich habe mich lange gegen die Flex gewehrt. Nicht nur weil der Hund so das Ziehen quasi gelehrt bekommt, sondern auch weil sie einfach Verletzungsrisiken birgt. Da haben die Hersteller aber mittlerweile ein wenig aufgerüstet und Flexleinen mit Gurtband hergestellt. Die sind deutlich praktischer als die Schleppleinen, bei denen man die fünf oder acht Meter Gurtband noch irgendwie in der Hand halten und verstauen muss. Das war auch der Grund für den Kauf. So kann Askan auf recht sichere Art und Weise trotzdem noch ein wenig im Wald streuseln, aber eben nicht abhauen, wenn er etwas Spannendes sieht. Die Gefahr irgendwelche Innerein aus irgendwelchen Gräben oder Verstecken zu schleppen, sinkt dabei auch recht deutlich. Der Kontakt zu lebenden und toten Schweinen wird damit – meines Erachtens – recht gut verhindert. Darüber hinaus landet im Napf weder rohes noch gekochtes Schweinefleisch. Übrigens waren bei den bisherigen Infektionen vor allem Jadghunde betroffen.

 

Wie geht ihr damit um und welche Erfahrungen habt ihr in dieser Sache gemacht? Wir sind gespannt 🙂

 

 

6 thoughts on “Warum „Schwein gehabt“ nicht automatisch Glück bedeutet – Der Aujeszky-Virus

  1. Wir haben hier im Naturschutz Gebiet Schweine …dort ist eh Leinenpflicht .Wir verwenden 8 Meter Schleppen …Man gewöhnt sich daran 😀
    Definitiv dürfen die Mädels in Wald niemals durchs Unterholz stromern.
    Ich bin teilweise sehr erschrocken wie unbedacht die Hunde Besitzer mit dem Thema umgehen.

    1. Liebe Britta,

      ja das kann ich super gut nachvollziehen!

      Einen felligen Gruß,
      Askan und Isa

  2. Hmmm, ich finde Deinen Artikel ganz gut aber ich kann die „Aufregung“ grade gar nicht verstehen. Der Medienhype um dieses Thema erinnert mich auch ein wenig an eine Art Hetzjagd.
    Das Thema ist schon seit Jahren präsent. Nicht nur in der Hausschweinzucht (da ist Deutschland so gut wie frei) aber bei den Wildschweinen war das nie weg.
    Da meine Hunde seit Jahren gebarft werde habe ich mich natürlich auch mit dem Thema auseinandergesetzt und Schweinefleisch kommt auch bei uns nicht in den Napf!
    Aber ich lasse meinen Hund, der der nicht jagt;), frei laufen. In der Regel frisst er nichts was im Wald herum liegt. Und so tief sind wir im Wald eh nicht unterwegs dass wir auf die Hinterlassenschaften der Jäger stossen sollten. Gut, man weiß nie….
    Auf jeden Fall sollte man ein Auge darauf haben dass der Hund im Wald oder sonst wo nichts frisst. Aber da hätte ich schon mal mehr Angst vor dem Fuchsbandwurm als vorm Aujetzki-Virus.
    Ich persönliche kenne bis heute keinen Hund, auch keinen Jagdhund, der sich mit diesem Virus infiziert hat (zum Glück). Aber vorsichtig sein kann in der Regel nie schaden…
    Und das Thema Flexileine schneide ich mal nicht an 😉

    Liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

    1. Liebe Steffi,

      na ja die Aktualität kommt tatsächlich aufgrund des Todesfalls im Nachbarort bei uns zu Stande. Ich bin da eher über meine eigene Naivität gestoplert, weil ich Wildscheine gar nicht so arg auf dem Schirm hatte. Hmm Vorsicht ist dennoch besser als Nachsicht und gleichzeitig kann ich sämtliche Bedenken ob der Flex verstehen – die hatte und habe ich nämlich auch 🙂 Aber wie heißt es doch so schön „kein Vorteil ohne Nachteil“ 🙂

      Sei lieb gegrüßt!
      Askan & Isa

  3. Schweinefleisch wird bei uns auch nicht gefüttert. Ich habe da auch zuviel Sorge wegen des Aujeszky-Virus. Bei uns gibt es aber auch irre viele Wildschweine. Mittlerweile sind die gerne auch im Wohngebiet oder in der Nähe des Wohngebiets unterwegs – und das nicht nur morgens und abends in der Dämmerung. Mir sind auch schon große Rotten gegen 11 Uhr und 14 Uhr begegenet. Dass „Reste“ von der Jadg irgendwo noch herumliegen, habe ich hier noch nicht erlebt. Ich achte dennoch darauf, dass meine Hunde draußen nichts zu sich nehmen – denn immer mal wieder gibt es Giftköder-Warnungen. 🙁 Mein fast noch größeres Problem mit den Wildschweinen habe ich eher, weil sie hier bei uns kaum noch scheu sind, sich relativ weit in den menschlichen Lebensraum wagen und nicht immer gesagt ist, dass das bei einer Begegnung gut ausgeht.

    1. Liebe Jasmina,

      diese Angst kann ich gut nachvollziehen. Wir haben beim Ausreiten auch mal eine größere Rotte getroffen und da wird einem schon ziemlich anders zu Mute. Dass sie aber so nah an Wohngebiete herankommen, ist bei uns – Gott sei Dank – noch unüblich. Ich drücke euch aber die Daumen, dass sich das wieder gibt!

      Pfotige Grüße,
      Askan und Isa

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