Sachkundenachweis nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 Buchstabe f TierSchG – unser Sprung ins kalte Wasser

Okay – „auf dem Weg zum Sachkundenachweis“ hat sie gesagt, „Tierschutzgesetz“ hat sie gesagt und „Paragraph 11“ hat sie auch gesagt… Ja ja ja ich verstehe schon, was dahinter steckt, habe ich natürlich wieder nicht gesagt. Aaaaabbber was lange währt, wird ja bekanntermaßen so richtig gut, weshalb das ganz große Kino rund um den Sachkundenachweis heute unser Thema sein soll:

Auf dem Hundeplatz oder beim Gassigehen inflationär mit neuklugen Ratschlägen um sich werfen darf ja bekanntlich jeder – sogar ein Nicht-Hundehalter, tststs. Will man aber für seine schlIMGP1034baauen Erziehungshinweise, Übungs- und Kursideen auch noch ein wenig Geld verdienen, benötigt man dafür eine Erlaubnis nach § 11 TierSchuG – ist klar sonst könnt ja jeder einfach so daher kommen. Wer also keine abgeschlossene staatlich anerkannte Berufsausbildung in einem Tierberuf besitzt, so wie das bei meiner Wenigkeit und dem Honighund der Fall ist, hat die Chance sich eine solche Erlaubnis für die gewerbsmäßige Ausbildung von Hunden zu erarbeiten – „verdienen“ trifft es wohl eher. „Gewerbsmäßig“ bezieht sich wiederum auf die kaum willkürlich festgelegte Zahl von mehr als zwei Hunden. Zudem wird der Tätigkeit in selbständiger, planmäßiger sowie fortwährender Art nachgegangen, wobei sie natürlich nicht vor Erteilung der Erlaubnis aufgenommen werden darf. Grundlage ist – für die rechtlich ganz arg Versierten – neben dem Tierschutzgesetz übrigens die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes (AVV-TierSchG). Hier ein kleiner Auszug für euch:

 

 

(1) Wer

1. Wirbeltiere oder Kopffüßer,
[…] 8. gewerbsmäßig, außer in den Fällen der Nummer 1 […] ,
[…] f) für Dritte Hunde ausbilden oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleiten

will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Für das Zurschaustellen von Tieren an wechselnden Orten darf die Erlaubnis nach Satz 1 Nummer 4 oder nach Satz 1 Nummer 8 Buchstabe d nur insoweit erteilt werden, als die Tiere nicht einer Art angehören, deren Zurschaustellen an wechselnden Orten auf Grund einer Rechtsverordnung nach Absatz 4 verboten ist.

(2) Das Bundesministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates in den Fällen des Absatzes 1 Satz 1

1. das Nähere zu der Form und dem Inhalt des Antrags auf Erteilung einer Erlaubnis nach Absatz 1 Satz 1,
2. die Voraussetzungen und das Verfahren für die Erteilung der Erlaubnis,
3. den Inhalt der Erlaubnis, im Falle des Absatzes 1 Satz 1 Nummer 1 nur, soweit dies zur Durchführung von Rechtsakten der Europäischen Union erforderlich ist, sowie
4. das Verfahren im Falle nachträglicher Änderungen der für die Erlaubniserteilung wesentlichen Sachverhalte, einschließlich der Pflicht zur Anzeige solcher Änderungen,

zu regeln. Rechtsverordnungen nach Satz 1 bedürfen, soweit sie das Züchten oder Halten von Tieren nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 oder 2 betreffen, des Einvernehmens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Das gesamte Gesetz könnt ihr hier nachlesen 🙂

So also de jure die Theorie – aber kommen wir doch mal zu unserer Praxis: Für die Vorbereitung auf die geforderte mündliche, schriftliche und praktische Prüfung gibt es zumindest im Vogtland keinen einheitlichen Kurs, den man entspannt belegen kann und dessen Inhalte man sich dann im Nachgang völlig verzweifelt in den Kopf klöppelt. Vielmehr ist man selbst für den Erwerb seines Wissens und vor allem die Qualität seiner Quellen verantwortlich. Sprich man bemüht sich massiv, einen Fuß in die Tür zu bekommen, um überhaupt zu wissen wo – wann – welche Kurse stattfinden. Dann muss an diesen Tagen entweder Stunden abgebummelt, nach der Arbeit hingefahren oder Urlaub gemacht werden. Was man nicht alles aus blindem Aktionismus, zu viel Freizeit und Ehrgeiz heraus möglich macht 🙂 . Eine ziemlich willkommene Abwechslung sind da übrigens Webinare, welchen man einfach im heimischen Wohnzimmer bei Wein und Kultur (in Form von Kerzenschein versteht sich :-)) lauschen kann.

 

Verschiedene Themengebiete wie die Biologie des Hundes, Aufzucht, Haltung, häufige Erkrankungen sowie tierschutzrechtliche Bestimmungen und Ausbildung werden in dem Fachgespräch (auch nur die Beschönigung für „Prüfung“ wenn ihr mich fragt) abgedeckt. Ob nun die Erlaubnis für den Betrieb einer Tierschutzorganisation, einer Hundepension, einer Hundeschule oder für das Züchten von Hunden das eigene Bekehr ist, ist im Übrigen hinsichtlich der Prüfung völlig wurscht. Die theoretischen Prüfungsfragen sind nämlich für alle gleich – ein imaginäres Hoch auf die Gleichberechtigung.

 

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Als Hinweis für die mündliche Prüfung – ähm Pardon das Fachgespräch – erhielt ich vom Veterinäramt eine Literaturliste, welche gefühlte 1000 Bücher umfasst, von denen ein Viertel nicht mehr im Handel erhältlich ist und deren Umfang mir teils Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt. Das schönste Beispiel gleich vorweg: Die Enzyklopädie der Rassehunde – aufgeteilt in drei Spalten pro Seite, geschrieben in gefühlter Schriftgröße 3,5 und aufgeteilt in zwei Bände a 700 Seiten. Die Bibel zu lesen wäre hinsichtlich der Layoutgestaltung sicherlich motivierender gewesen und würde weniger einem kontrollierten Freizeitvollzug gleichen. Aber klar der Grundtenor ist natürlich „Die Bücher müssen nicht alle gelesen werden, aber es wäre schon verdammt gut.“ Stresst mich selbstverfreilich nur marginal :-).

 

 

Wenn ihr jetzt also noch Hinweise und Tipps habt, wie man sich effektivst – neben dem schwammartigen Aufsaugen des Wissens aus der Prüfungsliteratur und den Seminaren – vorbereiten kann, stünde ich natürlich auf ewig in eurer Schuld und ihr wäret meine Helden. Wenn nicht: bilde ich einfach mal die Vorhut – Team Alpha quasi – , exerziere das Prozedere durch und berichte ich Nachgang, ob mein Kopf auf der Schlachtbank (übrigens meine Umschreibung für „Prüfung“) rollen musste oder nicht :-).

 

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