Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund – und was ist jetzt mit der Hundeseele, Frau von Bingen???

Wenn sich im Paradies eine Menschenseele und eine Hundeseele begegnen, muss sich die Menschenseele vor der Hundeseele verneigen.

  Sibirisches Sprichwort

 

Wir lesen ja auch viel Hundekram – da aktuell in Krankheit dar niedergestreckt auch noch deutlich mehr. Dabei sind wir auf die Artikel von Nicole und Diana gestoßen. Nicole beschäftigte sich damit, ob es einen Hund nach Moe geben kann und Diana mit dem vielleicht „Unwort des Jahres“ Seelenhund. Die beiden zauberhaften Blogger-Kolleginnen haben wir ja bereits furchtbar ins Herz geschlossen und für uns gehört beides so ein wenig in dieselbe Kategorie. Wenn man einen Seelenhund hat, wird wohl kaum ein Hund danach diese Rolle einnehmen können. Da wir ja teebeutelartig zu allem eine Meinung haben, welche wir im Gießkannenprinzip selbstverfreilich kundtun müssen, befassen wir uns heut mal mit unserem Ideenwust dazu.

 

Die Seele ist das Schiff, Vernunft das Steuer und Wahrheit der Hafen.

 

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Was ist denn eigentlich eine „Seele“?

Das Ding was 42 Gramm wiegt? Beim Hund vielleicht mehr oder doch eher weniger? Wie sieht Seele aus und ist Seele das was unsere Persönlichkeit ausmacht? Gibt’s ein Leben nach dem Tod, Wiedergeburt und wie betrifft das unsere Seele im Detail? Gibt es Karma? Rein- und auskarnation in sämtlichen Facetten? Wie oft sagt man frei von der Leber weg „Das ist eine Seele von einem Tier“? Beim Hundekauf bekommt man schnell zu hören: „Na der Hund sucht sich aber seinen Menschen aus und nicht anders herum.“

Beginnt man sich mit dem Thema zu befassen, zu googeln und zu durchdenken, wird schnell klar: dad is ne verdammt philosophische Kiste. Auf Wikipedia-Definitionen zurückgebrochen, handelt es sich bei einer Seele zumindest dem Wortlaut nach:

 

Das deutsche Wort Seele stammt von einer urgermanischen Form *saiwalō oder *saiwlō ab. Diese ist einer Hypothese zufolge von dem ebenfalls urgermanischen *saiwaz (See) abgeleitet; der Zusammenhang soll darin bestehen, dass nach einem altgermanischen Glauben die Seelen der Menschen vor der Geburt und nach dem Tod in bestimmten Seen leben. Unklar ist allerdings, wie verbreitet dieser Glaube war; daher wird der Zusammenhang in der Forschung nicht allgemein akzeptiert, zumal eine Verbindung zwischen dem Totenreich und *saiwaz (bzw. davon abgeleiteten Formen) in germanischen Quellen nicht bezeugt ist. Es wird ein Zusammenhang mit samisch saivo angenommen, einem urnordischen Lehnwort, das ein Totenreich bezeichnet.

Letztlich wird bei näherer Betrachtung fernab von Mythos und Zauberei der Glaube an eine Identität deutlich, welche allen Zeiten zum Trotz auch ohne fleischliche Hülle Bestand hat. Ein vom physischen Körper losgelöstes Etwas, welches quasi unsterblich ist.

 

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Na und? – Welche Verbindung gibt es da zum Hund?

In Japan wurden Hunde lange Zeit als Symbol für Macht, Status und Gesundheit betrachtet. Sie waren unbezahlbar und konnten nur verschenkt werden. In allen großen Zivilisationen spielen Hunde eine nicht zu unterschätzende Rolle (wer sich noch detaillierter mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem sei die Lektüre von „Mein Hund hat eine Seele“ empfohlen).  Selbst in göttlichen Gefilden tummeln sie sich, denke man nur an Zerberus oder Anubis, den Gott der Totenriten – seines Zeichens zumeist mit einem Hundekopf dargestellt. Auch der Hund findet sich also in Religion, Esoterik, Glauben, Sagen und Mythen wieder.

Um den Bogen zu meiner Fellnase zu spannen – übrigens Unwort zwei des Jahres -: Askan schaut mit mir Serien und Filme, die nun wirklich außer mir keiner mag. Er lässt sich von mir benähen, fotografieren und zu labbern. Lese ich, legt er sich neben mich. Verbringe ich Nächte krankheitsgebeutelt im Bad, liegt er neben mir. Wünsche ich mir weinend jemand der mich umarmt, stupst er mich mit seiner Schnauze so lang fordernd an, bis ich vor Lachen nicht mehr kann. Während ich diese Worte schreibe und über höchst philosophische Themen sinniere, schnarcht er in Schlampenposition genüsslich neben mir – sich die eigne Blöße züchtig mit dem Schwanz bedeckend und immer mal pupsend. Auf meiner Seite des Bettes natürlich. Er trödelt auch – meist früh wenn ich verschlafen hab. Büxt aus wenn er Rehe oder – noch besser – andere Hunde sieht. Kein Gedanke macht mir solche Angst als dass er irgendwann nicht mehr sein könnte, wie tröstlich wäre da der feste Glaube an ein Wiedersehen?

Es wird klar, er ist mein bester Freund und liebster Weggefährte – aber dennoch glaube ich, dass da auch Platz für Hund 2 und 3 sein kann. Platz  – vor allem in meinem Herzen – für noch mehr verhaltenskreative vierpfötrige Individualisten. Ein Leben ohne Hund führte ich fünf Jahre meines mittlerweile 26 Lenze zählenden Lebens. Klar war ich freier, ungebundener aber  auch glücklicher? Ein Leben ohne Hund kommt für mich nicht in Frage – eher bleibe ich kinderlos und unverheiratet. All die Sorgen und Nöte rund um die Fellnase, seien es Beißerein,  Ausbruchsversuche und Republikflucht oder vom Umbau geschlossene pubertierende Hundehirne, werden für mich durch so unwahrscheinlich viele tolle Momente überschrieben und wettgemacht. Weil eben diese Zeit des gemeinsamen Lernens mich glücklich macht.

 

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Nun zur Gretchenfrage des Seelenhundes:

Solange nicht klar ist, was des Pudels Kern sprich des Senfhundes Seele ist, bleibt es letztlich in meinen Augen eine Umschreibung für einen Hund, zu dem man aus welchen Gründen auch immer eine tiefe Verbindung hegt. Eine Partnerschaft, Beziehung oder Bindung, die uns prägt und zu dem werden lässt, der wir sind. Vielleicht geht’s also um die Geschichte – nicht um die Begrifflichkeit. Es ist etwas Besonderes und das zum Präfix mutierte „Seele“ im Seelenhund birgt doch irgendwie die Hoffnung auf Ewigkeit. Da sich das Thema Hund zu so einem festen Bestandteil meiner selbst entwickelt hat, mich die Leute mittlerweile fast nur noch durch Askan erkennen und sich seit ihm so viel verändert hat, ich aber auch weiß, dass die Hunde in unserer Familie uns alle auf ihre zauberhafte eigene Art und Weise beeinflusst haben, resümieren ich für mich: ein Leben ohne Hund – niemals und vielleicht gibt es auch nicht nur einen Seelenhund.

Ähnlich wie es womöglich nicht nur die eine große Liebe und die eine beste Freundin geben wird. Vielleicht ist Platons Vorstellung vom Kugelmenschen und verbundenen Seelen ja bereits überholt. Vielleicht ist die Vorstellung von dem Einen ein Halt, den wir brauchen, um uns überhaupt voll einlassen zu können. Ich habe Menschen und Tiere in meinem Leben kommen und gehen sehen. Auf die eine oder andere Weise und natürlich hinterlässt jeder Verlust eine Lücke, die kein anderer füllen kann, dennoch möchte ich für mich offen sein. Anderen Menschen aber auch Vierbeinern die Chance geben, mein Leben zu berühren und es vielleicht mit genug Mut meinerseits sogar zu verändern 🙂 .

Vielleicht wären Synonyme wie Glückhund, Pfotenkind und Co bis dahin die philosophisch und psychologisch saubereren Begriffe – bis dahin werden aber auch wir weiterhin Worte wie Seelenhund, Seelenschmeichler und vor allem –tröster vor uns hinflöten oder wahlweise auch -poltern 🙂 . Welcher Begriff ist am Ende des Tages auch völlig wurscht, denn es soll ja letztlich ausschließlich klar machen – übrigens ähnlich wie das Monatspfoto im Mai – wie wir für die Vierpfötler empfinden. Seien das dann Seelenhund, -pferde oder -katzen ist doch eigentlich egal – oder was meint ihr? 🙂 .

 

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Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust, Sich an die Welt mit klammernden Organen.
Faust I

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