Die Crux mit der Giftköderei – unsere Erkenntnisse aus Webinar, Seminar und Lektüre

Also ins hohe nasse Gras darf Herr Hund nicht wegen der Zecken und Milben,  Felder sind wegen der Grannen sowieso tabu, mit Stöckchen wird nicht gespielt wegen des hohes Verletzungsrisikos und aus Pfützen darf wegen der Gefahr einer Ansteckung mit Leptospirose auch nicht getrunken werden. Muss man als Hundehalter nicht schon auf genug Gefahren und Risiken achten und unwahrscheinlich detailverliebt sein, häufen sich nun auch noch Meldungen über Giftköder.

Mit Rasierklingen versetzte Wurst, mit Rattengift bestückte Leckerlis oder mit Säure kontaminierte Pfützen. Von Giften bis hin zu ungenießbaren Stoffen ist das Repertoire der Tierquäler leider sehr groß. Das reicht aber noch nicht – nun bekommt man auch schon Leckerlis als Proben verpackt nach Hause geliefert. Sahne. Wirklich ganz toll. Askan soll ja aber nicht ständig mit Fressbremse rumlaufen – zumal er die auch nicht so dufte findet – also war es für uns an der Zeit uns ganz klassisch mit Prävention zu beschäftigen.

Bei der lieben Dani von Hundekind Abby gabs ja letztens erst eine sehr lesenswerte DVD Rezension zum Thema. Unsere Erkenntnisse aus Webinar, Anti-Giftköder-Kurs und dem Buch Anti-Giftköder-Training“ von Sonja Meiburg gibt’s heut für euch 🙂

Beschäftigt man sich mit dem Thema werden schnell verschiedene Herangehensweisen deutlich. Neben dem Blick auf die hündische Gesundheit, rücken Bedürfnisbefriedigung und Auslastung, Gefahrenmanagement, Training aber auch isometrische Übungen ins Zentrum der Betrachtung. Ein breites Feld, wobei wir euch mit unserem Artikel einen kleinen Einblick geben mögen.

 

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Vorbeugung

Ganz klassisch besteht die Gefahr, dass der eigene Hund einen Giftköder aufnimmt ja vor allem im Freilauf. Wenn die Hundenase auf den Boden getackert zu sein scheint und man durch Gras und Sträucher nicht immer einen detaillierten Einblick hat, wo die Schnauze denn nun grade eigentlich hängt. Besonders häufig kommen Warnungen übrigens in Ballungsgebieten vor. Die Tierquäler gehen dabei häufig nach dem Gießkannenprinzip vor und verteilen entweder ganz viele oder einen riesen Köder, sodass man bei einem Verdacht auch die naheliegende Umgebung mitbetrachten sollte. Die Gefahr einer Vergiftung durch solche Köder ist jedoch verglichen mit Vergiftungen im Haushalt durch Reinigungsmittel oder Produkte für den Garten real viel höher. Also kehren wir erst einmal vor unserer eigenen Tür und sichern Schneckenkorn, Schokolade und Co hundesicher ab.

Für die Gefahren draußen macht es Sinn, sich einmal wirklich Gedanken zu machen. Also sprich warum frisst mein Hund denn draußen überhaupt? Immer in bestimmten Situationen, an bestimmten Orten? Was genau frisst der Wauzer denn? Nur die richtig geilen Leckerein oder Erde? An dem Punkt ist dann auch ein Gesundheitscheck wirklich sinnvoll, um zu sehen, ob womöglich ein Mangel vorliegen könnte.

Im nächsten Schritt sollten dann präventiv hündische Bedürfnisse nach Schnüffeln, Kauen und Co befriedigt werden. Sprich Schnüffelaufgaben, Kauartikel und Co kommen ins Spiel. Die Reduktion von alltäglichen Frustrationen (immer nur das gleiche öde Trockenfutter) kann genauso sinnvoll sein wie das Vermeiden eines enormen Hungergefühls bevor es nach draußen geht.

Anschließend sollte man JETZT (!) anfangen, etwas zu tun. Sei es ein Kurs, das Lesen eines Buches oder das Anschauen einer entsprechenden Lehr-DVD. Denn das Training benötigt Zeit und muss kleinschrittig aufgebaut werden. Am besten beginnt man bereits im Welpenalter damit, denn der Welpe hatte im Idealfall weder positive noch negative Erfahrungen mit der außerhäuslichen Futteraufnahme gemacht.

Bis sich ein entsprechender Trainingserfolg eingestellt hat, macht es Sinn Gefahren zu minimieren. Sprich der Einsatz einer Fressbremse oder das Verfolgen entsprechender Nachrichten bspw. über Giftköderradar. Hinsichtlich der Nachrichten sollte man auf die Vertraulichkeit der Quelle achten. In welcher Plattform wird wie berichtet, wurde die Polizei informiert und sind entsprechende Bilder vorhanden? In Bezug auf die eingesetzte Fressbremse kann man entweder eine kaufen oder einen Maulkorb einsetzen. Eine Maulschlaufe hingegen ist weniger geeignet, da der Wuff dennoch weiterhin Futter aufnehmen kann. Ein Nylonmaulkorb verhindert sogar das Hecheln und kann in der Folge lebensgefährlich werden. Außerdem kann egal für welche Art von Fressbremse man sich entscheidet, selbige nicht einfach über die hündische Rübe gezogen werden, sondern der Schnuz muss im Training ebenfalls kleinschrittig daran gewöhnt werden.

Zusätzlich sollte mit dem Hund geübt werden, sich in den Fang schauen und greifen zu lassen. Hierzu greift man mit den Fingern hinter die Fangzähne und drückt das Maul sanft auf, um dann von oben hereingreifen zu können.  Auch die Kenntnis über die „normalen“ Vitalwerte des eigenen Wuffs können in der Notsituation unwahrscheinlich nützlich sein, um Veränderungen auch wirklich schnell registrieren zu können. Medical Training sollte also zusammenfassend im Sinne einer Prävention auch nicht fehlen.

 

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Training

Für den Trainingsbeginn ist zunächst einmal der Perspektivwechsel super relevant. Sprich man geht in die Kooperation mit dem Hund anstatt mit ihm zu konkurrieren. Sobald der Herr Wuff nämlich rausfindet, dass er im Schlingen sowieso schneller ist als ich, ist das Kind fast in den Brunnen gefallen. Dann wird Meister Mensch nämlich hastig, bekommt Panik und erzeugt beim hündischen Gegenpart letztlich nur Misstrauen. Viel sinnvoller ist es, dem Hund beizubringen, Essbares zu tauschen und sich darüber Gedanken zu machen, welches Verhalten man sich denn konkret von seinem Wauzer wünscht. Dafür sollte man dem jungen Hund das Futter möglichst nicht ständig wegnehmen oder ihm beim Essen stören, um so nicht schon an der Basis ein Misstrauen zu schüren. Besser man legt einfach noch etwas Leckeres in den Napf. Ab und zu. Auch die Bestrafung sobald der Hund im „Freigang“ etwas gefressen hat, ist schwierig. Fressen ist ein selbstbelohnendes Verhalten, welches genetisch tief verankert ist. Frustration aber auch Aggression oder Angst können nach einer Bestrafung eines solchen Verhaltens Folgen sein. Der Hund lernt, dass er schnell und ungesehen fressen muss. Viel sinnvoller ist da ein positives Training.

Beispielsweise könnte man sich vor den Hund setzen. In einer Hand ein ödes Leckerli, in der anderen Hand das Übermegahighendnaschi. Das öde Leckerli bietet man auf der flachen Hand an. Will der Hund es fressen, antwortet man mit „Nein“, „Aus“ oder „Chillisoße“ – also einem Kommando, was möglichst noch nicht besetzt ist, und verschließt die Hand. Bleibt der Hund hingegen sitzen und macht keine Anstalten an das Leckerli zu kommen, geben wir ihm in Windeseile (möglichst innerhalb einer halben Sekunde) das Gutti. Ratzfatz haben die Wauzer das drin, sodass wir die Hände abwechseln und undurchschaubar werden können. Im nächsten Schritt machen wir das Ganze im Stehen und dann im Laufen.

 

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So ein festes gut sitzendes „Nein“ ist meiner Meinung nach schon die halbe Miete und trainiert nebenbei auch noch die Impulskontrolle mit. Im nächsten Schritt kann man sich dann der Futteranzeige widmen, in dem man beispielsweise ein Leckerchen unter ein Hütchen packt und das Verhalten belohnt, welches der Wauzer sowieso anbietet. Die Verallgemeinerung einer solchen Futteranzeige ist natürlich schwierig, weil man ja im Prinzip alle Gerüche & Co mittrainieren müsste. Das Verteilen von kleinen getackerten Dosen (also mit Luftlöchern) oder Reizeiern mit super leckerem Inhalt auf einer Wiese wäre dann der nächste Schritt.

Neben einer positiven Vorgehensweise im Training werden aber auch Möglichkeiten des Trainings eines Meideverhaltens beschrieben. Ob das Werfen von Discs, einer Klapperdose, das Aufstampfen wenn der Hund etwas aufnimmt oder das in die Händeklatschen – am Ende wird stets ein plötzlich auftretender erschreckender Reiz hinzugeführt. Der Hund lernt dabei aber nicht, wie er sich verhalten soll und wird viel mehr nach einer anderen Möglichkeit suchen an das „Futter“ zu gelangen, sodass diese Methoden nur mit Vorsicht einzusetzen sind.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Training einzelner Verhaltensweisen plus die Erklärung der Notwendigkeit verschiedener Signale bietet „Anti-Giftköder-Training“.

 

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Wie äußern sich Vergiftungen?

Beobachtbar sind zunächst äußerst unspezifische Symptome wie Taumeln, Atemnot oder Apathie. Aber auch Lähmungen, Unruhe, blasse, blaue oder hellrote Schleimhäute sowie Krämpfe und Schaum am Fang könnten beobachtbar sein.

Ein Anruf bei der Giftzentrale (0361 730730)  macht Sinn, wenn man sich grade im Wald befindet und Unklarheiten darüber bestehen, ob eine Pflanze, Pilz oder Ähnliches giftig sein könnte.

Weiß man welchen Stoff der Hund aufgenommen hat, sollte man eine Probe davon mit zu Tierarzt nehmen. Innerhalb von 30 Minuten nach der Aufnahme kann noch ein Erbrechen ausgelöst werden, da in dieser Zeit nahezu keine Nahrungsabsorbtion stattfindet.

Das Eingeben von Tierkohle mitsamt einer Beobachtung von 24 Stunden wird ebenfalls empfohlen, da diese Giftstoffe bindet und es bei manchen Stoffen erst nach einiger Zeit zu Symptomen kommt (bspw. bei Rattengift). Das Eingeben von Milch, welche Giftstoffe ebenfalls binden soll, ist übrigens Käse.

Insgesamt richtet sich das Verhalten nach dem Verdacht auf eine Vergiftung natürlich nach dem aufgenommenen Stoff. Bei Schokolade, Weintrauben oder Waschmittel ist ein anderes Vorgehen notwendig als bei einer verschluckten Rolladennadel oder Nagel. Im letzterem Fall ist das Auslösen von Erbrechen natürlich maximal sinnlos. Ebenso bei dem Verdacht, dass ätzende Laugen oder Säuren aufgenommen wurden.

 

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Braucht es nun wirklich einen Kurs?

Das wiederum muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden. Abhängig ist es sicherlich auch vom Vorwissen. Kleine Übungen, wie die hier beschriebenen, können bestimmt auch zu Hause trainiert werden. Möchte man aber auch die Futteranzeige und Ähnliches trainieren schadet eine professionelle Begleitung nicht. Aufpassen sollte man dabei auf die Qualität der Trainer, denn das sich hieraus ein Markt ergeben hat, ist auch den Geldschneidern bereits aufgefallen, sodass Kurse aus der Erde sprießen. Tagesseminare empfinde ich bedenklicher als einen Kurs über mehrere Wochen. Ein „Erste-Hilfe“- Kurs hingegen ist meiner Meinung nach für jeden Hundehalter Pflicht, um in der Not wenigstens angemessen reagieren zu können und keine Zeit zu verschenken. Unseren Beitrag zum Thema „Erste Hilfe am Hund“ findet ihr hier.

Ein achtsamer Umgang mit dem Hund auf dem Gassigang anstatt des nächsten Levels im „Pokemon Go“ versteht sich ebenfalls von allein – grade mit dem Wissen, dass nicht nur Stoffe, sondern eben auch Pflanzen, Pilze sowie Gliederfüßer Vergiftungen auslösen können. Trotz allem Trainings arbeiten wir aber dennoch mit einem Tier, sodass es auch bei Kurs, Seminar, Webinar, DVD und Buch nie eine hundertprozentige Fresssicherheit geben wird.

 

Quellen:

 

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