„Der tut nichts, der will nur hüten“ – Hütehundtest mit Schmuseschäfer

Mit Blick auf die aktuell katastrophale Lage im Terminkalender hätte es keiner für möglich gehalten, dass wir in diesem Jahr tatsächlich noch an dem Hütehundtest von Heike Braun teilnehmen können.

Dass ich Askan überhaupt anmelden konnte, verdanken wir allein den Ergebnissen des DNA-Tests, denn nur Hunde mit einem Hütehundanteil sind auch tatsächlich zum Test zugelassen. Zugegeben seit dem Askan weiß, dass er in Anteilen aus Schäferhund besteht, hütet er hier und da schon mal. Also seine Freunde beim Gassigehen, meine Mama und manchmal bei totaler Langeweile auch mal mich oder das Sofa.

 

So what? Nun war es endlich soweit und ich kann euch verraten wie sich der kleine Schmuseschäfer beim Hüten so angestellt hat.

 

Das Hüten stellt ja eine Sequenz aus dem Jagdverhalten dar und wenn ich an Askan und seinen Umgang mit Rehen denke, könnte es durchaus auch in ihm solche Sequenzen geben. In den Hütehundlinien werden einige Anteile des Jagdverhaltens verstärkt, während andere Anteile wie das Töten beispielsweise durch Selektion verringert werden. So geht der Border zum Beispiel auch ohne Hunger als Motivation in den Suchlauf. Sieht er dann die Schafe, fixiert er diese (Eye), geht vorwärts und versucht das Schaf wieder in die Gruppe zu treiben. Hier bricht das Jagdverhalten dann aber auch schon ab und kann von den Bordern auch ohne Endhandlungen wie Töten und Fressen erneut von vorne gezeigt werden. Im Gegensatz zu Herdenhunden, die auch ohne Schäfer bei der Herde verbleiben und Angreifer abwehren, sind Hütehunde auf die Zusammenarbeit mit ihrem Menschen gezüchtet und verstehen oftmals schon minimale Gesten äußerst gut. Dies kann es im Alltag manchmal schwierig machen, denn die Hunde suchen sich definitiv Arbeit, wenn sie nicht ausgelastet werden.

 

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Angefangen hat der Test mit dem Kennenlernen der Schafe. Da wir uns ziemlich nah am Jahresende befinden, war die Herde schon etwas dezimiert, dass tat unserem Tatendrang aber keinen Abbruch 🙂 . Ich umkreiste also mit Askan das Gehege, während Heike die Schafe bewegte. Na ja also Askan schnarchte am Boden entlang, piescherte hier und dort mal hin und ja er schaute sich auch die Schafe mal an.

 

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Im nächsten Schritt ging es in das Gehege. Joa, also Askan hat die Schafe mal angeschnuppert. Anschließend ging es in eine Art Roundpen, was manch einer auch vom Reiten her kennt. Dort war Askan dann leinenlos und schaffte es immerhin einmal halbseiden die Schäfchen anzuwuffen. Im vollkommenen Freilauf auf der Koppel reichte es ihm dann. Er fuhr die imaginäre Mittelkralle aus und wälzte sich genüsslich einmal die Weide hoch und runter. Während die Schafe gespannt warteten, was der Hund denn für Ansagen machte, dachte Askan er befände sich in einer Outdoor-Parfümerie 🙂 . Hieß für mich, ich musste die Schafe gemeinsam mit Heike eintreiben 😀 . Zumindest bekam ich dafür ein Lob, denn ich wäre wirklich ein top Hütehund 🙂 . An der Leine hat Askan zumindest aus Anstand kleine Hüteanstalten gemacht – so miniminikleine…

 

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Nach 12.000 Schritten und zwei Stunden stand also fest, Askan ist durchgefallen weder Hütetrieb noch Hüteverstand vorhanden, dafür aber auch ohne Leine ein prima Begleithund 🙂 . Na ja okay damit kann ich leben.  Dann machen wir Rittmeister Max von Stephanitz eben keine Ehre 😉 .  Der gilt nämlich als Grundvater der deutschen Schäferhunde. In den früheren Jahrhunderten sollten die Schäferhunde Schutz vor Raubtieren bieten und beim Näherkommen von solchen ungebetenen Gästen anschlagen. Zumindest das kann mein Bub: kontrollettimäßig anschlagen, wenn einer kommt 🙂 .

 

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Die liebe Elke mit ihrem Maty kann dagegen schon mal überlegen, ob ein paar Schafe für das hündische Hobby daheim einziehen sollten. Seines Zeichens Vollblut-Aussie hat Maty die Schafe mit einer riesen Freude in Schach gehalten. Und während er so einkreiste, antrieb und zusammenhielt, kamen wir ins  Schwatzen. Darüber, dass immer weniger junge Schäfer nachkommen und das Fleisch aus Neuseeland so günstig bei uns verkauft wird. Darüber, dass kaum einer mehr die schöne Schafwolle kaufen mag. Irgendwie schon traurig, bedenkt man wie alt das Handwerk ist und wie hart. Heike erklärte uns auch die Unterschiede zwischen deutscher und englischer Hüteweise. So gibt es in Britannien mehr private Flächen, sodass die Hirten in die Breite hüten wohingegen in Deutschland deutlich mehr auf Landesgrenzen geachtet und Schäfer ihre Herden eher in die Länge hüten würden.

 

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Fand ich die Schilderungen über Hütehundwettbewerbe und der Zusammenarbeit mit Hunden im Arbeitskontext von Patricia B. McConnell in ihren unwahrscheinlich tollen Büchern schon immer sehr spannend, stand Heike ihr in nichts nach. Mit einer Ausgeglichenheit und Ruhe, die man wahrscheinlich wirklich nur nach sechzehn Jahren als Wanderschäferin bekommt, leitete sie uns und unsere Hunde an.

 

Auch wenn Askan nun nicht der Bilderbuchhütehund ist, war es ein sehr spannender, lustiger und schöner Vormittag 🙂  und nach Schaf riecht er Tage später auch noch 😉 .

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