Bindung – Weiß Askan eigentlich, dass er zu mir gehört?

Am Anfang – also zu dem Zeitpunkt, wenn der Vierbeiner grade einzieht und man vor kurzem erst euphorisch den Fressnapf und andere Tierfachmärkte leer gekauft hat, besteht ja noch die ganz romantische Vorstellung vom besten Freund auf vier Pfoten. Einem unwahrscheinlich treuen Wegbegleiter, der nur um uns zu gefallen sämtliche Kommandos mit Leichtigkeit auf Fingerzeig hin ausführt. Und dann beginnt der Alltag mit Hund – mit dem Gassigehen, obwohl der Schnuz lieber in sämtliche andere Richtungen oder aber bei Regen überhaupt nicht raus gehen will. Es kommen Kämpfe um Stubenreinheit und Euphoriestürme sowie waldörfsche Namenstänze, wenn er das erste Mal wirklich draußen auf Toilette war. Und mehr und mehr entwickelt sich ein Alltag bei dem man sich fragt, liebt mich mein Hund eigentlich genauso wie ich ihn? Mag er meine Mama, die Nachbarin oder noch schlimmer meinen Freund mehr? Nach und nach keimen Zweifel auf, die leise aber biestig und beständig an uns nagen. Bücher über Bindung ziehen sukzessiv ein. Langsam. Schleichend. Immer mal eins. Und immer diese hämmernde Frage im Hinterkopf.

Als mein Bub dann auf dem Hundeplatz einmal ausgebüxt ist und mit keinem Lefzenzucken auch nur einen müden Gedanken daran verschwendete wieder zu mir zu kommen, wurde die Atombombe der Mensch-Hund-Beziehung gezündet – quasi der Supergau: unser Trainer meinte wir haben keine Bindung zueinander (also ich vielleicht, aber meinem Hund wäre ich egal). Oh man, jetzt gab es natürlich kein Halten mehr und meine Tränen flossen auf der Heimfahrt wie Sturzbäche. Aber wie Oma schon immer zu sagen pflegt: man darf weinen, schreien und leiden, aber dann steht man gefälligst auf, richtet sein Krönchen und holt sich das, was man möchte.

Wissen musste also her – weshalb ich mich für das Seminar „Bindung – wie dein Hund zu deinem besten Freund wird“ bei Ulli Seumel einschrieb. Ulli ist ausgebildete CumCane®-Trainerin, gibt Seminare, schreibt Info-Artikel auf ihrem Blog und trainiert Mensch-Hunde-Teams in Potsdam. Unter dogitright findet ihr sie mit ihrem tollen Angebot. Was ich gelernt hab und warum mein Bub eigentlich sogar ziemlich gut gebunden ist, erfahrt ihr jetzt:

Karfreitag in Leipzig – klar, Platzregen.  Perfekter Rahmen für ein solch doch heikles Thema. Ein emotionsgeladenes Thema. Eine kleine familiäre Runde. Eine super Einführung und ein Abholen direkt am Thema. Bindungstheorien, wie die von Bolwby zu Menschenkindern sind mir nicht fremd – bin ja schließlich Psychologin – sicher, unsicher und ambivalente Bindungsmuster gibt es da. Der Übertrag auf meinen Hund hingegen war mir schon neu. Wenn wir nach Michael Kast alle in einer Generation der Beziehungsunfähigen leben – wirkt sich das auch auf unsere Hunde aus? Kann man sich an sie auch nicht binden? Oder eher zu sehr, weil Struppi und Co zum Partner-, Kinder- und Familienersatz werden? Und was ist nun eigentlich mit der verklärt romantischen Vorstellung vom Anfang?

 

IMGP1533_o_klein

Was ist Bindung?

Ulli dröselte das, wie ich finde, wirklich abstrakte Thema – hey mal ehrlich Leinenführigkeit wäre deutlich greifbarer gewesen – vom Urschleim auf. Sie definiert Bindung als Beziehung zwischen Fürsorgendem und Empfänger und somit schließlich als lebensnotwendiges System für einen Hund, der ja gemein hin als wirklich sozial gilt. Hund und Mensch – quasi Alien und Alien – sind in der Lage artübergreifend Bindungen einzugehen mit dem Vorteil die eigene Resilienz, sprich die Stresstoleranz gegen äußere Einflüsse, zu erhöhen. Dabei ist Bindung durch Kontaktliegen,  Kuscheln, Pflegeverhalten,  Kommunikation, Kontaktaufnahme und Kooperation ersichtlich. Ein sicher gebundener Hund schaut immer mal, was das Herrchen denn so macht und ob es noch da ist. Er kann nur deshalb streuseln gehen, weil er sich sicher fühlt. Bäm – Askan ist also gar nicht ungebunden, sondern er ist sich seiner Sache einfach nur äußerst sicher. So ärgerlich das in diesem Moment war, so erleichtert war ich im Vortrag. Ein kleiner leichter Seufzer als Zeichen der gefühlt zweitausend Steine auf meinem Herzen rutschte mir da schon raus. Nicht jeder Hund zeigt jedoch alle Zeichen von Bindung – sicherlich schlichtweg weil wir über individuelle Lebewesen sprechen und nicht jeder Hund die Bücher und wissenschaftlichen Artikel über Bindung auch wirklich gelesen hat.

 

IMGP1790_o_klein

 

Wie baue ich Bindung auf?

Also zunächst einmal braucht es Zeit und positive Erfahrungen miteinander. Um eine negative Erfahrung aufzuwiegen wären deutlich mehr – sprich mindestens fünf besser noch sechs – positive Interaktionen günstig. Hierbei sollte aber auch Training nicht mit Bindung gleichgesetzt werden. Jeder Hundetrainer kann unterschreiben, dass er Hunde – auch ohne dass diese an ihn gebunden wären – ausbildet. Bindung kann aber bei tollem und gut strukturiertem Training entstehen. Ganz wichtig ist zunächst die Befriedigung der Grundbedürfnisse des Hundes. Wie man selbige wieder definiert und wie umfassend man sie umschreibt, bleibt einem dabei selbst überlassen.

Kommunikation und Interaktion quasi als Schlüsselwörter.  „Von nüscht kommt nüscht“ wie der Vogtländer dazu sagen würde. Auf den Hund achten, in Verantwortung gehen und in heiklen Situationen Schutz bieten, das sind unsere Aufgaben als gute und sichere Bindungspartner. Aber auch Routinen, Vohersagbarkeit und Erwartungssicherheit geben dem Hund Vertrauen in seinen Menschen. Wo der Vergleich zum Kinde doch so nahe liegt: Auch der Hund braucht Struktur und Grenzen, um sich wohl fühlen zu können.

Vertrauensbildende Maßnahmen – quasi Teambildung auf hündisch

Okay abstrakte Worte bei einem abstrakten Thema, aber wie fördert man hündisches Vertrauen nun tatsächlich? Durch Spielen zum Beispiel oder Clickern.  Wichtig ist dabei, dass der Hund nicht zur Zusammenarbeit mit dem Menschen gezwungen wird – warum erschließt sich ja von selbst. Beim Spiel wiederum sollte man sich interessant machen. Häufige Richtungswechsel sind vorteilhaft – hierfür bietet sich übrigens eine Weste mit der Aufschrift „Wir trainieren noch“ als Erklärung für die bedeppert dreinschauende Umwelt an. Dummy Training oder auch das Einüben von Tricks können das Vertrauen fördern, solang der Mensch dabei entspannt ist und nichts in den Hund hineinstopfen, sondern eher etwas aus ihm herausstreicheln möchte. Auch Übungen wie das Absitzen und das Bein über den Hund heben oder das Laufen auf den Menschenfüßen bilden Vertrauen. Natürlich darf bei all den aktivierenden Interaktionen auch die Entspannung nicht zu kurz kommen. Hierfür kraule und streichle man das Felltier in kreisenden Bewegungen mit der flachen Hand. Auch das Füttern aus der Hand wird in dieser Themenkategorie gern empfohlen.

 

IMGP1653_o_klein

 

Über Sinn und Unsinn von Verhaltenstests

Klar nach dem Seminar von Ulli war ich an – neugierig, beruhigt aber trotzdem an. Da muss es doch noch mehr geben. Klar noch auf der Heimfahrt googelte ich rum und sah, dass es mehr gab. Bindung als Verbindung chemischer Stoffe zum Beispiel. Aber da waren auch noch Verhaltenstests, die Einen in scheinbarer Windeseile erkennen lassen, wie arg der Vierpfötler an einen gebunden ist. Das musste ich testen – quasi ein Zwang. Na ja ziemlich ernüchternd, wenn man sich als Kriterium die Begrüßung raus sucht.  Mein Askan begrüßt mich nämlich in aller Regel mit einem müden eher unmotivierten Anheben seines Schwanzes. Mit einem vergnügten Schwanzwedeln hat das absolut gar nichts zu tun und ist davon auch meilenweit entfernt. Laut Wikipedia ist mein Hund nun also doch nicht an mich gebunden. Aber mal im Ernst wenn der Bub mich völlig aufgelöst begrüßen würde, das Schwanzwedeln den ganzen Körper vibrieren lassen und er das Wimmern anfangen würde, sagt das dann wirklich aus, dass er gebunden ist? Oder ist es nicht doch eher Zeichen seines Ungebundenseins, weil er sich in der Zeit meiner Abwesenheit nicht sicher war, ob ich wieder komme? Ihr seht also: alles ist relativ 🙂

Wer sich auch eingehender mit dem Thema beschäftigen, aber nicht bis zum nächsten Seminar von Ulli warten will, der kann unter anderem dieses Buch („Du gehörst zu mir.“) durchforsten.

 

Blog logo2

4 thoughts on “Bindung – Weiß Askan eigentlich, dass er zu mir gehört?

  1. Spannendes Thema. Ich, der Herr Bohne, bin einer, der mit lauten Getöse das Frauchen begrüß und mein Schwanz wedelt eh ununterbrochen, aber wenn ich ein Mauseloch erschnüffelt habe, kann ich durchaus mein Frauchen ignorieren und das richtig lange, ohne zu schauen, was sie gerade macht 🙂 Wie war das: Alles ist relativ 🙂 ♥

    1. Jaaaa na das kennen wir auch 😀 Einfach so rumstreuseln, aber mich beruhigt es wenn sich Askan immer mal daran erinnert, dass er nicht allein losgewandert ist 🙂

  2. Wirklich interessantes Thema. Mein Schnauzi begrüßt mich auch mit einem wedelnden schwanz, wo man meinen könnte er würde gleich abheben. Er läuft mir Zuhause überall hinterher und guckt immer wo ich bin. Eben der perfekte Hund. Bis die Leine zum Vorschein kommt, dann ist alles vergessen und alles ist wichtiger als das noch vorher so geliebte Frauchen. Da wird sich auch mal provokant mit dem Rücken zum Frauchen gesetzt und ignoriert. Bis ich dann auf einmal mich umdrehe, ihn auch ignoriere und weg gehe. Naja dann wird schnell hinterher gerannt, bis ich mich freue, dass er gekommen ist und ihn loben will…tja Naja… Und weg is er wieder.
    LG Ruth

    1. Ja das kenn ich leider auch 🙁 In diesen Fällen irgnoriere ich ihn dann aber auch mal oder verstecke mich hinter Bäumen. Na ja vielleicht wachsen wir ja auch mit unseren Aufgaben 😉 In dem neuen Buch von Günter Bloch wird das Thema aber auch fokusiert, wenn du noch mehr einsteigen magst 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.