Aus fremden Körbchen geplaudert: Andere Länder = andere Hundehalter? Let´s talk about china

Soooo um ehrlich zu sein: Mich zieht es nicht wirklich an China ran. Das Reich der Mitte hat es mit seinem jährlichen Yulin-Festival bei mir ziemlich verschissen. Da werden nämlich Hunde „ zu Dutzenden in rostige Käfige eingesperrt, bei lebendigem Leib gekocht und gebraten, vergiftet oder zu Tode geprügelt und dann gehäutet auf dem Markt von Yulin verkauft. Dieses Schicksal erleiden geschätzt 10.000 Hunde alljährlich auf dem „Yulin Dog Meat Festival“ (Hundefleisch-Festival) in der gleichnamigen südchinesischen Stadt.“ Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

Allerdings müsste man ja grade als Psychologe wissen, dass Vorurteile wenig produktiv sind und deshalb beleuchtet Alina als liebe Freundin unserer Kim in ihrem Gastbeitrag heute einmal die Hundehaltung in China etwas genauer 🙂 .

 

Heute geht es mal um die Hundehaltung, in einem anderen Land. Nicht etwa die Nachbarländer – da hat man ja auch meist eine ungefähre Idee, wie Hunde so leben oder was für einen Stellenwert sie für ihre Besitzer haben. Bei den Meisten dürfte das Wissen über China nicht so umfassend sein, zumindest was die Hundehaltung betrifft. Und immer wieder hört man schockierende Nachrichten. Darum soll es heute aber nicht gehen! Sondern um die Haltung als Haushunde, wie sie auch hier üblich ist. Ich (also Kim 🙂 ) habe das Glück, dass meine beste Freundin aktuell in China ist und einige Zeilen zu diesem Thema in die Heimat geschickt hat:

 

„Zu allererst einmal: Hallöchen.

Man kennt mich hier nicht, darum zunächst ein paar einleitende Worte: Mein Name ist Alina und ich bin sehr gut mit Kim befreundet. Die hat mich auch gebeten, diesen Beitrag zu schreiben und das konnte ich natürlich nicht ablehnen. Ich bin mittlerweile seit drei Monaten in der Millionenstadt Peking unterwegs (auch bekannt als Beijing – die “nördliche Hauptstadt” Chinas), wo ich bis August nächsten Jahres als Au Pair bei einer Gastfamilie lebe und den Kindern Englisch beibringe. Zuhause in Deutschland wartet mein Labrador Marley (wahrscheinlich nicht ganz so sehnsüchtig) auf meine Rückkehr. Was ich damit sagen will: auch ich bin Hundehalter und vor allem -liebhaber, ansonsten wäre ich auf diesem Blog wohl auch an der falschen Adresse 🙂 .

Vorneweg: meine Gastfamilie hier hat keine eigenen Haustiere, dementsprechend kann ich nur über Dinge berichten, die ich auf offener Straße mitbekomme. Mich so wirklich qualifiziert über Hundehaltung im Reich der Mitte äußern kann ich also nicht. Jetzt will ich aber erst einmal sofort das Vorurteil, dass alle sofort im Kopf haben, wenn die Worte “China” und “Hunde” (oder auch nur “China”) fallen, ansprechen.

China ist ein riesengroßes Land, hier gibt es alles vom immerwarmen Süden bis zum bitterkalten Norden und irgendwo in diesem Land gibt es definitiv Leute, die Hundefleisch essen. Und selbst dann nur äußerst selten, also generell gesagt ist das Vorurteil falsch – Chinesen essen keine Hunde!

 

Bevor ich herkam, war ich eigentlich der Meinung, nicht viele Chinesen hätten Hunde als Haustiere, zumindest nicht in einer so großen Stadt wie Peking. Jetzt wo ich hier bin, weiß ich es besser. In Anbetracht der Tatsache, dass 21 Millionen Menschen in dieser Stadt leben, hat wahrscheinlich ein eher kleiner Anteil Hunde, aber generell sieht man sehr oft welche. Meistens sind das kleinere Hunde, ich nenne sie zu Kims Empörung liebevoll “Trethupen”. Ich bin nicht sonderlich bewandert bezüglich Hunderassen, aber für mich sehen die Hündchen aus wie Pudel oder damit verwandte Rassen. Manche sind auch Terrier. Seltener sieht man große Hunde, obwohl mir auch schon Golden Retriever, Schäferhunde und Huskys über den Weg gelaufen sind.

Für viele Chinesen scheint das Wort “Hundeleine” ein Fremdwort zu sein, denn die meisten Hunde laufen frei herum. Dabei wundert mich immer wieder, wie gut die dann im Allgemeinen hören. Es passiert auch nicht selten, dass ich mir denke “Oh, der Hund geht alleine spazieren”, weil der Besitzer einfach viel zu weit weg ist. Noch nie habe ich es erlebt, dass die Hunde zu jemandem hingelaufen sind, deshalb scheint es auch keinen zu interessieren. Generell sind die Chinesen aber auch weniger als Deutsche darauf versessen, sich an alle aufgestellten Regeln zu halten (Dabei denke ich ganz besonders an den schrecklichen Verkehr hier…) 🙂 .

Und wo ich gerade darauf komme, kann ich auch direkt damit weitermachen. Ein klein wenig zum Verkehr, damit ihr euch das besser vorstellen könnt: Chinesen sind wirklich gute Autofahrer. Sie sind nur nicht gut, sich an eine (vielleicht auch gar nicht vorhandene) Straßenverkehrsordnung zu halten. Es gilt die Regel: Überall fahren, wo gerade Platz ist und Hupen, wenn es nicht weitergeht. Die vielen Rollerfahrer und Fußgänger machen die Situation natürlich nicht besser. Deshalb ist es durchaus möglich, dass eine Kreuzung zwei Stunden verstopft ist, weil zwei LKWs sich verkeilt haben und nicht vom Fleck kommen, weil alle hundert Autos dahinter natürlich viel zu dicht aufgefahren sind.

Und in diesem Verkehr gibt es natürlich auch die unangeleinten Hunde, die das Ganze jedoch natürlich gewöhnt sind. Trotzdem, jedes Mal wenn ein Hund auf die Straße läuft, pocht mir meistens das Herz bis zum Hals.

 

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In Peking, gibt es ganz klischeehaft auch Gegenden, die dem Vorurteil entsprechen: Zelte, Plastiktische und -stühle und eine kleine Küche, meistens wie beim Camping mit Gasherd oder kleine Tuk-Tuks, in die Herde eingebaut worden sind. Die Straßen sind eng und die Hunde rennen frei herum, so wie Hofhunde zuhause. Ich fahre jeden Morgen mit dem Bus für 40 Minuten durch solche Straßen und bekomme fast einen Herzinfarkt, wenn Hunde auf die Straße laufen. Die sind jedoch vollkommen entspannt und bahnen sich genau wie Menschen ihren Weg durch den Verkehr und für Hunde bremsen die Chinesen dann doch lieber einmal mehr.

Einige der Hunde, die mir bisher begegnet sind, wurden wunderschön (?) von ihren Besitzern angekleidet. Eine Dame gibt es in der Wohngegend, wo ich lebe, die drei brauen Pudel-Hündchen hat: eins hat ein Marienkäfer-Kostüm, eins ein Enten-Kostüm und eins ist eher normal angezogen. Dabei habe ich auch schon Hunde mit Schuhen und Hunde mit Hosen gesehen… Ich muss ehrlich sagen, davon bin ich wirklich kein Freund…

Auch glaube ich, dass Chinesen es mit dem Tierarzt oft gut sein lassen. Nicht wenige Hunde, die ich gesehen habe, liefen ziemlich schlecht, manche konnten ein Bein gar nicht mehr benutzen…

Wenn ich an meinen Hund denke, der ein Fan von jeglichem Ess- oder manchmal auch Nicht-Essbarem ist, dann bin ich froh, dass ich Deutschland nicht so viel Müll rumliegt. Mein Hund wäre in China schon lange an Plastik erstickt oder hätte irgendwas Schlechtes gefressen, das er auf der Straße gefunden hat. Aber die chinesischen Hunde machen meistens einen Bogen um Müll.

Als letztes möchte ich noch meinen besonderen Liebling ansprechen. In der Universität, wo ich seit zwei Monaten Chinesisch-Unterricht habe, gibt es einen kleinen, schwarz-weißen Hund, der immer vor und im Unterrichtsgebäude herumläuft. Ich bin mir nicht sicher, ob er ein Streuner ist oder einem der Lehrer gehört, auf jeden Fall kümmert sich einer der Angestellten dort um ihn. Ich habe seit einigen Tagen mit ihm Freundschaft geschlossen und jedes Mal, wenn ich morgens komme, springt er auf mich zu, bellt mich an und hüpft vor mir herum. Dann streichele ich ihn und wir spielen ein bisschen, bevor ich in den Klassenraum gehe. Einmal ist er mir sogar in den Supermarkt nachgelaufen.

Wie in – denke ich – jedem anderen Land, gibt es also auch in China Hundeliebhaber, aber die Hundehaltung (zumindest bezüglich Spaziergängen) ist doch ziemlich anders, als zuhause.“

 

 

Danke an Alina für diesen tollen Bericht und deine Erfahrungen.  Auch Isabelle hat für mich noch ihre Kontakte spielen lassen und ein paar Infos „aus Erster Hand“ besorgt. Dieser hat die Alinas Beobachtungen weiter bestätigt.

Hanzhi hat selbst einen Golden Retriever und berichtet Folgendes:

 

„In China gibt es keine Versicherung für Hunde oder Hundehalter und keine Hundesteuer. Tierärzte sind nicht so gut besucht. Sicher gibt es aber auch hier Unterschiede von Hundehalter zu Hundehalter. Grundsätzlich werden Hunde so wie in anderen Ländern auch als Haushunde oder als Hofhunde gehalten. Hundeschulen oder ähnliches gibt es in China recht selten und wenn dann werden sie eigentlich nur von sehr wohlhabenden Menschen besucht.“

 

„Vertan, vertan sprach der Hahn.“ – Deshalb danken wir Kim, Alina und Hanzhi für die umfangreiche Aufklärung in Sachen „Hunde im Reich der Mitte“. Da uns die lieben Infoquellen noch ein Stück erhalten bleiben, könnt ihr Fragen gern über Kommentare los werden 🙂 .

 

 

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