„Angst- und Aggressionsverhalten“ – Unser erster Besuch bei „Easy Dogs“ in Nürnberg

„Na schön“ – wie meine Mama in maximal angepissten Ton zu sagen pflegt, der Tag – wohlgemerkt bereits im Februar – ging ja schon prima los. Früh verschlafen und festgestellt, dass die Anmeldung fürs Seminar meinerseits versaubeutelt wurde. Dann noch einen Haufen Rennerei auf Arbeit. Auf das Seminar oder viel mehr die Fahrt dort hin, hatte ich schon gar keine Lust mehr. Das Sofa gemütlich mit Askan bekuschelt sowie das Anzaubern eines wohligen Schwipses mit dem edlen Halbtrockenen schien mir zu diesem Zeitpunkt des Tages irgendwie unheimlich verlockend.

Aber wie ihr ja wisst, sind Askan und ich Meister der Selbstdisziplin, wobei böse Stimmen es auch als Selbstkasteiung bezeichnen würden. Es ging also direkt vom Büro nach Nürnberg zu der wirklich wunderbaren Maria Rehberger. Wies war, ob ichs bereut habe und noch ganz viel mehr, erfahrt ihr heut:

 

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Also erst einmal bin ich ja ein absolutes Orientierungsas: Wenn man mich im Wald dreimal dreht, finde ich nie wieder nach Hause… und dann auch noch nach Nürnberg – eine mit den Augen eines Dorfkindes betrachtet – wirklich immens große Stadt. Aber wer schwarz malt hat ja bekanntlich viel zu radieren: Wir haben die Gaststätte, in der der Vortrag stattfinden sollte, prima gefunden. Dort wurden wir dann auch gleich super herzlich von Maria empfangen, die den Abend in einer dermaßen sympathischen, witzigen und situationskomischen Art und Weise gestaltete, dass absolut keine Scheu vor Fragen entstehen konnte. Maria arbeitet seit 2006 mit Hunden zusammen und ist vor allem durch ihre Arbeit in der Hundeschule Nürnberg Nord sowie im Mantrailing bekannt. Und man staune: sogar im Veterinäramt werden Fortbildungen bei Easy Dogs häufig anerkannt 🙂 . Perfekt. Begleitet wurde das Ganze von einer liebvollst detailliert gestalteten Powerpoint, die wir on top auch noch zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Was mir vom Vortrag selbst am meisten im Gedächtnis blieb, ist tatsächlich das „Spinnenphobiker-Schokolade-Beispiel“. Oftmals wird ja behauptet, dass man einen Hund in Angstsituationen nicht behuscheln sollte, denn genau dadurch würde das angsthäsische Verhalten ja bestärkt. Gemäß Marias Worten verstärkt aber nur das Erreichen des Ziels ein Verhalten. Wenn ich also Angst vor Spinnen habe und sich mein Partner neben mich setzt, mich krault und mir in regelmäßigen Abständen massenhaft Schokolade zuwirft, könnte ich es womöglich besser über mich ergehen lassen als ohne diesen sozialen Beistand. Da ich persönlich sofort eine neue Wohnung brauche, sobald so ein achtbeiniger Terror bei mir Einzug hält, kann ich Marias Beispiel so gut nachfühlen. Aber das war natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus einem über zweistündigen Vortrag 🙂 .

 

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Wir lernten zum Beispiel, dass es sich sowohl bei Angst als auch bei Aggression um angeborene Emotionen handelt, welche durch das autonome Nervensystem gesteuert werden. Und hier liegt schon die erste Erkenntnis: der Hund kann das Ganze also nicht willentlich steuern. Er kann keine Angst haben wollen. Hormonelle Reaktionen werden als Folge von Umweltreizen ausgelöst, wodurch wiederum Verhaltensantworten produziert werden. Da Hunde eben auch ein Säugetiergehirn haben, reagiert selbiges ähnlich zum menschlichen Äquivalent. Neben verschiedenen möglichen Auslösern beschäftigten wir uns anschließend mit den entsprechenden Verhaltensreaktionen. In diesem Zusammenhang unterschieden wir zwischen Angst (Reaktion auf eine Bedrohung) und Ängstlichkeit (Erwartung einer Bedrohung) aber auch zwischen reflexiver (Reaktion des autonomen Nervensystems) und operanter Aggression (erlernte Reaktion auf eine Bedrohung). Besonders anschaulich war hierbei die Darstellung der unterschiedlichen Antezedenzien, des unterschiedlichen Ausdrucksverhaltens und der unterschiedlichen Funktionen. Besonders durch Konflikte, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit (staune oh staune in Zusammenhang mit Leinenaggression oder Tierarztbesuchen), Frustration, dem Erregungslevel, Schmerz und Bedrohung wird aggressives Verhalten befördert.

Hinsichtlich der Körpersprache gilt es einen genauen Blick auf die Orientierung des Hundes zu werfen. Alle Körperteile, die nach vorne bzw. oben hinweisen, deuten darauf hin, dass der Hund sich in eben diese jene Richtung – namentlich nämlich vorne – orientiert. In Analogie lässt sich das auf Bewegungen nach hinten übertragen. Je seitlicher und vor allem kurviger der Hund, umso weniger angespannt ist er – so die Eselsbrücke. Besonders wichtig ist der Blick auf die Körpersprache des Hundes im Hinblick auf die verschiedenen Eskalationsstufen bei Angstverhalten.

 

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Ist der Körperschwerpunkt nach hinten unten gerichtet, der Schwanz eingezogen, die Ohren angelegt, wird Blickkontakt vermieden, versucht der Hund Distanz herzustellen oder zeigt er andere Anzeichen von Stress ist grundsätzlich erst einmal von Angst- bzw. Meideverhalten auszugehen. Kommt der Hund dennoch nicht aus der Situation heraus und hat somit keinen Erfolg mit seinem Verhalten, kann selbiges hin zur Aggression kippen. Durch eine steife Körperhaltung, weniger Bewegung und Mimik, längerem Blickkontakt und Konfliktzeichen wird dies auch körpersprachlich sichtbar. Bei starrem fixierendem Blick, nach vorn gerichteter Mimik und frontaler Annäherung ist dann tatsächlich von Alarmstufe rot auszugehen. Jetzt sollte man eine Zeitung zusammenrollen, sie sich gepflegt über die unaufmerksame Rübe ziehen, einen Kaffee in die andere Hand nehmen, sich aufs Sofa setzen – sofern dieses denn frei ist – und darüber nachdenken, was zu diese Situation führen konnte. Bis ein Hund in der Regel nämlich zu diesen Mitteln greifen muss, wurden Trilliarden an Zeichen gesendet und offensichtlich von uns übersehen. Schlimmer wird das Ganze nur noch wenn der Hund tatsächlich löchern musste, denn der damit verbundene Hormoncocktail erschafft eine tödliche Erleichterung.

Im Training sollte deshalb Signale wie Knurren nicht abtrainiert werden. Hierin besteht schlichtweg die Gefahr, dass Hunde in der Folge Eskalationsstufen überspringen und eher auf Angriff zurückgreifen. Es macht also auch wenig Sinn, das unerwünschte Verhalten durch irgendeines zu ersetzen. Vielmehr muss die Alternative für den Hund auch zielführend sein und die unangenehme Situation auflösen können. Desensibilisierung, Gegenkonditionierung, Erlenen von alternativen Verhaltensweisen und Entspannungstraining können kaum isoliert eine Lösung des Problems sein. Vielmehr kommt es auf die richtige Kombination der Methoden an, wobei ein wirklich gut geschulter Trainer vor allem auch mit Blick auf den Sicherheitsaspekt hinzugezogen werden sollte. Aus dem Grund erklären wir an dieser Stelle auch keine einzelnen Trainingsschritte, die im Seminar an Praxisbeispielen sehr wohl ausführlich und anschaulich erklärt wurden, um ein einfaches Herumdoktoren und –hektiken am Hund zu vermeiden. Allgemeinhin gilt wie so oft auch: „Das Gras wächst nicht schneller nur weil man daran zieht.“

Grundsätzlich kann aber als Tipp der Besuch eines Tierarztes vorweggeschoben werden. Eine Abklärung des Gesundheitszustandes kann womöglich schon Erklärungen liefern und die Behandlung von Krankheiten oder Schmerzzuständen eine Besserung bewirken.

Alles in allem also ein wirklich eindrucksreicher Abend, für den sich die doch etwas weitere Anfahrt voll gelohnt hat. Wir sagen DANKE an Maria und kommen total gern wieder 🙂 .

 

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