Achtsamkeit?!

„Nimm Dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille, außer wenn Du keine Zeit hast – dann nimm dir zwei.“

Sales

 

Kennt ihr die auch? Diese Menschen, die so unwahrscheinlich geerdet und in sich ruhend wirken anstatt wie ein kopfloses Huhn schreiend im Kreis zu rennen? Grade jetzt in der Weihnachtszeit soll es ja besinnlich werden. Konträr zur Besinnlichkeit werden „2 do“- Listen im länger, die Launen immer schlechter und Personen immer gestresster. Ein Grund mehr für uns, sich einmal mit Achtsamkeit zu befassen 🙂

Der Hintergrund

 

Das Thema „Achtsamkeit“ ist ja aktuell wirklich in aller Munde. Sogar als wir letztens beim Räucherkerzen-Ziehen waren, wurden Momente der Stille und des Innehaltens meiner Meinung nach massiv betont.

 

Doch woher kommt das eigentlich, „Achtsam-Sein“?

 

Beim „Achtsam-Sein“ geht es darum, bewusst im Moment zu leben und diesen auch bewusst wahrzunehmen, sich also mit kindlicher Neugier wieder vom Leben verzaubern zu lassen. Oftmals wird in diesem Zusammenhang gleich von Meditation und Co gesprochen, aber eigentlich ist das Ganze eine überreligiöse Thematik, die sich in allen großen Weltreligionen wiederfindet. Vor diesem Hintergrund wird großes Augenmerk auf das Körperbewusstsein gelegt, denn der Körper gilt beispielsweise im Buddhismus als das Erkenntnisorgan schlechthin. Seit Decartes „verkam“ das in den westlichen Ländern zu Gunsten der Stellung des Geistes jedoch ein wenig. Mit Prof. Dr. Kabat-Zinn fand die Achtsamkeit mitsamt einer Fülle von Körperübungen wieder in das Bewusstsein der westlichen Welt zurück. Dieser schuf mit MBSR eine neue Therapieform für eigentlich bereits austherapierte Schmerzpatienten. Hintergrund der Übungen waren das Leben und Fühlen im Moment ohne die Wahrnehmungen zu beurteilen oder zu bewerten. Wir werden also zu Beobachtern…

„Freude ist genau das, was jetzt geschieht – abzüglich unserer Meinung darüber.“

Charlotte Joko Beck

Unsere Amydala, also unser emotionales Gehirn, ist für die Reaktionen Flucht, Kampf oder Erstarren zuständig. Dies macht in Anbetracht einer Schlange sicherlich Sinn, bei meinem falschparkenden Nachbarn aber eher weniger. Dennoch unterscheidet dieser Gehirnteil nicht zwischen den „Gefahren“, sodass man schnell im Dauerstress steht. Ein Nachteil, welcher uns aus einem evolutionären Vorteil nun entsteht. Um dem entgegen zuwirken, versucht man die Latenz zwischen Reiz und Reaktion durch Achtsamkeitsübungen zu verlängern, um so automatische Muster zu durchbrechen.

Der Psychotherapeut Viktor E. Frankel befasste sich in diesem Zusammenhang mit KZ-Insassen und den Folgen dieser „Inhaftierung“. Verwundert stellte er fest, dass nicht alle ein Trauma davontrugen und führte dies auf die Bewertung der Situation zurück. Hierin liegt auch ein Grundstein der Resilienzforschung. Oft wird ihm auch die Strategie „Love it, change it oder leave it“ zugeordnet.

In der Folge liegt also zwischen Reiz und Reaktion ein Raum, der eine Handlungsfreiheit ermöglicht.

Übungen

 

„Ich atme ein, ich raste aus.“

 

Körper- und Atemübungen haben das Ziel, den Modus zu wechseln. Vom „modus of doing“ wollen wir in den „modus of being“ wechseln. Ist das gut eintrainiert, kann man später sogar in heiklen Situationen wie Prüfungen darauf zurückgreifen. Beispielsweise erhält man bereits nach täglich fünf Minuten Qigong-Training nach acht Wochen einen Effekt. Auch achtsames Bewegen schult die Selbstwahrnehmung. Also Autopiloten abstellen und hin zum ganz bewussten Verrichten selbst simpler Tätigkeiten.

Wie oft kommen wir denn auf Arbeit an ohne dass wir uns so wirklich an den Weg erinneren? Wir fahren automatisiert… Hören wir beim Telefonieren wirklich zu oder tun wir zehn Dinge nebenher? Wir tätigen am Tag circa 26.000 Atemzüge – an wie viele erinnern wir uns heute?

Um nun also an unserer Achtsamkeit zu arbeiten, können wir zum Beispiel auf unseren Atem achten. Allein das steigert häufig schon das Wohlbefinden. Wichtig ist, sich wirklich auf Übungen, Phantasiereisen und Meditationen einzulassen, zu akzeptieren und nicht zu bewerten. Urteile sind allein Gedanken, die für uns notwendig sind, um die Welt in Kategorien zu unterteilen und unsere Urteile so „kosteneffizienter“ zu machen. Es geht also um eine Entschleunigung der Bewertung, wobei auch negative Emotionen durchaus bei einem verweilen dürfen.

Achtsamkeit ist also eher eine Haltung dem Moment gegenüber, sodass man sie stets trainieren muss, um nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Man schult quasi seinen „Achtsamkeitsmuskel“, was nicht durch schöne Worte, sondern nur durch Erfahrungen möglich ist.

Beispielsweise kann man mehrfach am Tag mehrere Minuten bewusst atmen und sich fragen wo die eigene Atmung anfängt und wo sie aufhört. Man könnte einen Tag lang auf Kommunikation verzichten oder zehn Minuten am Stück schreiben. Möchte man Achtsamkeit auf Dauer praktizieren, können auch Apps wie „whil“ oder „7Mind“ helfen, indem sie einen durch einen Gong aus dem Moment holen und an ein achtsames Verweilen erinnern. Man kann auch achtsam essen oder putzen. Achtsamkeitsübungen trainieren zudem auch unsere Geduld und Gott allein weiß, wie notwendig Geduld zum Teil in der Hundeerziehung und -bespaßung sein kann 🙂 . Entspannung ist dabei eigentlich gar nicht das Ziel, aber sie stellt sich häufig nebenbei ein 🙂 . Übrigens beginnen MBSR-Kurse häufig mit der Rosinen-Übung. ..

Achtsamkeit mit Hund???

 

„Da muss ich noch einmal drüber nachträumen.“

 

Wir wollen uns also wieder vom Leben verzaubern lassen und vor allem von unserem Vierbeiner 🙂 . Wie schlimm es sein kann unachtsam und unaufmerksam zu sein, musste ich erst diese Woche erfahren. Während ich nämlich durch Gespräche abgelenkt war, sah Askan ein Reh und warf sich schwub zum Sterben auf die Bahnschienen. Dass zwei Züge anrollten, erwähne ich jetzt meinem Blutdruck zur Liebe nur im Halbsatz. Also wie trainieren wir unsere Achtsamkeit im Umgang mit dem Schnuz?

In dem wir wirklich mal sämtliche Gedanken ausblenden. Gehen Menschen monotonen Tätigkeiten wie Laufen nach, schweifen die Gedanken ab. Fast 50% unserer Wachzeit verbringen wir damit, unseren Geist wandern zu lassen wie Forscher der Harvard Universität 2010 herausfanden. Wie ein junger Welpe der an allem und nichts schnarchen muss. Unser Geist neigt dazu, sich ständig zu beschäftigen. Konzentrieren wir uns lieber wieder auf unseren Hund, was er tut, wie er aussieht und welche Körpersprache er hat.

Wie fühlen sich die Dinge eigentlich an? Das Fell, die Leine oder die Handschuhe, die wir aufgrund der aktuellen Wetterlage tragen? Welche Geräusche macht unser Hund in welchen Situationen? Wie riecht er (im besten Fall wenn er aus dem Wald kommt, nicht nach genüsslichem Wälzen im Kuhdunk). Und so weiter, aber vor allem was müsste passieren, damit man abends sagen kann, dass es ein erfolgreiches Training war? OOOder mal wieder so richtig gemeinsam abraudeln 🙂 .

„Wenn die Sterne nur einmal in 1000 Jahren erscheinen würden, wie sehr würden die Menschen dann dieses Ereignis verehren und davon berichten, um es über Generationen in Erinnerung zu halten […]“

Waldo Emerson

Auch das Reflektieren der Erlebnisse in der vergangenen Woche mit unserem Fellfreund kann die Achtsamkeit schulen. Was fühlte sich gut, was schlecht an? Allein das „Jetzt“ steht uns zur Verfügung. Auf „Morgen“ können wir nicht zugreifen und an „Gestern“ nichts verändern. Außerdem belegen Studien, dass wir umso glücklicher sind, je präsenter wir sind 🙂 . Das ist doch ein Grund oder wollen wir uns Stück um Stück unser Leben vorbei wünschen, weil wir darauf warten, dass die Arbeit vorbei ist, der Urlaub kommt, Abend ist, der Hund gekackst hat, oder oder oder… Übrigens erweisen sich durchschnittlich 92% aller Sorgen als unbegründet – so what?!

Was wir wiederum von unseren Hunden lernen können, beschreibt Dirk Grosser in seinem Buch „Der Buddha auf vier Pfoten: Wer braucht schon einen Zen-Meister, wenn er einen Hund hat?“ anhand des Zusammenlebens mit seinem Hund Bobba sehr anschaulich.

Letztlich geht es also draum mit Neugier, Offenheit und Anfängergeist an die Dinge heranzugehen als sehe man seinen Hund das erste Mal. Sich so einzulassen als wäre es keine Routine. Wenn es also mal wieder stressig wird, sollte man sich fragen, welche Werte im eigenen Leben Priorität haben und was man sich heute noch Gutes tun kann 🙂 . Denn was nützt einem die Hektik grade? Verändert sie etwas zum Guten? Nutzen wir die Zeit zusammen doch lieber ohne Stress und haben somit beide einen Mehrwert 🙂 .

 

Kleines DIY für den Einstieg

 

Wer jetzt noch eine kleine Motivation für den Einstieg braucht, findet hier nun eine Anleitung für die Anfertigung eines Meditationskissens. Hierfür braucht ihr einfach nur eine Schüssel oder einen Eimer mit circa 35 cm Durchmesser, ausreichend Stoff und Füllwatte. Schneidet den Stoff gegengleich zu, sodass ihr ein Ober- und ein Unterteil habt. Anschließend braucht ihr noch einen 110 x 11 cm Streifen für den Rand.

 

 

Nun näht ihr erst das Oberteil rechts auf rechts mit dem Seitenstreifen zusammen. Anschließend der gleiche Spaß noch einmal mit dem Unterteil, wobei ihr einen kleinen Spalt zum Wenden offen lasst. Nach dem Wenden packt ihr ordentlich Füllwatte in das Kissen, es soll schließlich euren Pops auch bequem halten können 🙂 . Zum Schluss verschließt ihr die Öffnung per Hand und erfreut euch an eurem schönen wauzigen Kissen 🙂 .

 

 

 

Ihr Lieben, ändert sich die eigene Haltung und Sichtweise, ändert sich alles 🙂 . Wir können den Versuch, achtsamer durchs Leben zu gehen, nur empfehlen 🙂 . Wer nun aber weder meditieren noch zum Yoga rennen möchte, kann es auch mit Malen, Handarbeit oder Lesen versuchen, denn auch diese Aktivitäten gelten laut Wissenschaft als äußerst entspannend. Und unsere Hunde sind ja sowieso die Könige des Yogas denken wir an ihre manchmal schon putzig anmutenden Verrenkungen 🙂 .

 

„Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“

Pearl S. Buck

 

 

 

 

 

4 thoughts on “Achtsamkeit?!

  1. Toller Artikel, wunderschöne Zitate!
    Und gerade am Vortag von Weihnachten so passend. Danke schön.
    Übrigens macht Askan eine super Figur beim Yoga. 😃
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna (die den herabschauenden Hund in Perfektion beherrscht)

    1. Liebe Stephie,

      Ja ne? Und er braucht dazu nich mal eine Yoga app 😉

      Fellige Weihnachtsgrüße,
      Askan & isa 🙂

  2. Hallo!
    Ich stelle gerade einen Merkzettel zum Thema Achtsamkeit für eine Patientengruppe zusammen. Durch Zufall bin ich auf diesen Blog gestoßen und würde gerne wissen, ob ich das Foto vom Spaziergang „im Hier und Jetzt“ (zumindest beim Hund 😉 für das Handout verwenden darf. Natürlich mit Quellenangabe.
    LG, Sylvia

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